Tag Archiv für archäologisches Museum

10.Tag Bulgarien: Aladscha-Kloster und Baden im Schwarzen Meer

Heute ist für Karin und mich ein wichtiger Tag, nämlich der 20. Jahrestag unserer Beziehung. Für mich definitiv wichtiger als der Hochzeitstag.
Dennoch klingelte der Wecker um 7.30h und wir waren schon um 8.30h beim Frühstück. Der Frühstücksbereich war heute sehr viel belebter als in den ersten 2 Tagen, als nur 2 oder 3 andere Leute zu sehen waren. Heute dagegen war die gestern eingetroffene georgische Kinder-Reisegruppe auch gerade am frühstücken.
Was außer bislang beim Frühstücken ungewohntem Rummel vor allem bedeutete, daß der Toaster abgebaut und entfernt worden war, weil die Reise- und/oder Hotelleitung befürchten, daß sich jemand daran verletzen könnte. Da sich aber das Brot hier, natürlich reines Weißbrot, ungetoastet kaum genießen läßt, habe ich mir 4 Scheiben auf einen Teller getan und habe einen der Hotelangestellten, der sich um das Frühstücksbuffet kümmert, gebeten, das Brot für mich in der Küche zu toasten. Und hier bin ich das erste mal an die Grenzen der bulgarischen Freundlichkeit gestoßen: ich bekam nämlich als Anwort: No Sir, not possible today because of the children. Als ich daraufhin nachhakte, ob sie nicht doch in der Küche die Scheiben toasten könnten, kriegte ich wieder eine Absage. Das ging dann noch 1 oder 2 Runden so weiter, bis ein Kollege dazu kam, bei dem ich zuvor den Kaffee geordert hatte. Dieser korrigierte dann sofort seinen Kollegen und meinte, selbstverständlich sei das möglich, ich solle mich schon mal setzen, er würde mir die getoasteten Scheiben gleich an den Platz bringen.
Nach dem Frühstück haben wir uns beeilt, uns abmarschbereit zu machen, da wir planten, vormittags das Aladscha-Kloster zu besuchen, nachmittags das Archäologische Museum in Varna und dazwischen nach Möglichkeit auch noch wenigstens kurz im Schwarzen Meer schwimmen zu gehen.
Als erstes sind wir deshalb zu dem Informationsbüro des hinter dem Goldstrand liegenden Naturparks und haben für 3 Lev eine Wanderkarte des Gebiets erworben. Eigentlich wollten wir den kompletten Weg bis zum Kloster laufen, da wir im Hotel gesagt bekommen hatten, daß man ca. 1h bis zum Kloster läuft. Auf der Wanderkarte standen dann aber wesentlich längere Angaben. Und so haben wir uns entschieden, einen Teil erstmal mit dem Auto zu fahren, dieses dann auf einem offiziellen Parkplatz stehen zu lassen und für den Hinweg die Route mit der Angabe 80min, weil hier der große Anstieg gleich am Anfang ist, und für den Rückweg die um 10min längere Route zu nehmen. Der Weg war für bulgarische Verhältnisse in einem 5* Zustand: vernünftig breit angelegt, die Pflanzen zu beiden Seiten ordentlich zurückgeschnitten und der Weg zu beiden Seiten mit Holzstangen abgegrenzt. Der Wald ging dann recht schnell in eine grüne Hölle über, in der die Bäume teilweise komplett mit Lianen-ähnlichen Schlingpflanzen verhüllt sind. Und nach und nach wird der Zustand des Weges auch nicht mehr ganz so mitteleuropäisch, aber er ist immer erkennbar und gangbar. Nach einer Viertelstunde ereichen wir eine Stelle, an der sich zwei Wanderrouten trennen und wo ein Schild mit Zeitangaben für die Strecken angebracht ist. Hier lesen wir, daß für die von uns bislang zurückgelegte Strecke tatsächlich 15min veranschlagt werden. Wir gehen weiter und der Weg führt ziemlich steil bergauf. Nach kurzer Zeit merken wir, daß wir in einen Mückenschwarm geraten sind und das da kein Armwedeln Aussicht auf Abhilfe bringt. Wir erhöhen deshalb unser Tempo nach Möglichkeit und schaffen es, die Mücken erstmal abzuschütteln. Aber nach ein paar Metern mit wieder normalem Lauftempo werden wir wieder von Mücken heftigst umschwärmt und wir fallen wieder in den strammeren Schritt. Wir merken, daß sich immer eine kurze Strecke Mückengebiet mit einer ohne oder mit sehr wenig Mücken abwechselt. Letztere nutzen wir, um zwischendurch schnell mal ein paar Schlucke Wasser zu trinken. Wir sind inzwischen beide mehr als klatschnaß geschwitzt, obwohl es im Wald eigentlich halbwegs erträglich kühl ist (aber die Route führt ja auch bergauf). Irgendwann erreichen wir das Kloster und sind erstaunt, wie schnell wir die mit eigentlich ~80min angesetzte Strecke erwandert haben (oder wohl eher: vor Mücken erflüchtet haben): 52min!
Das Kloster macht auf den ersten Blick fast einen Park ähnlichen Eindruck: englischer Rasen rechts und links, der von automatischen Rasensprengern berieselt wird. Dahinter ist die Felswand sichtbar, in der das Kloster war. Vor der Felswand steht eine große Zuschauertribüne, anscheinend gibt es hier Open Air Vorführungen mit dem Felsenkloster als Kulisse. In die beiden Etagen des Felsenklosters kommt man über eine hohe, vorgebaute Metalltreppe. Die Mönche haben keine echten Höhlen in der Felswand vorgefunden, sondern eher Vorsprünge, die maximal 3-4m tief waren, teilweise bei den Mönchszellen auch nur halb so tief. Diese Vorsprünge waren dann zum Teil nach vorne hin zugemauert und innerhalb des Klosters Zwischenwände teilweise aus Stein, teilweise aus Holz ausgeführt. Da das Kloster schon im 16. oder 17. Jahrhundert verlassen wurde und dann verfallen ist, sind inzwischen nur noch sehr wenige Reste der Mauern und von der Holzkonstruktion nur noch die im Fels ausgehauenen Auflagepunkte zu sehen. Lediglich in der ehemaligen Klosterkapelle in der oberen Etage sind spärliche Reste der Wandbemalung zu erkennen. In die Kapelle kommt man aber leider nicht rein, sondern man kann nur durch das Gitter eines kleinen Fensters in der Tür reinsehen. Vermutlich wären sonst die Reste der Wandbemalung auch ganz schnell weg. Es gab z.B. auch Schilder, auf denen die Besucher gebeten wurden, weder Münzen noch kleine Zettel mit Gebeten oder Fürbitten in die Felsritzen zu stecken, da diese sonst noch schneller erodierten. Insgesamt war zwar nicht mehr sehr viel vom Kloster übrig, aber der Besuch hatte sich dennoch gelohnt. Witzig war auch noch die russische Familie: Er mit Versace T-Shirt und mehr als offensichtlich ebenso teuren Jeans und Sandalen und so sonnenbankgebräunt, daß Dermatologen vermutlich Dollarzeichen in den Augen hätten, seine Frau und Tochter ebenfalls mit Klamotten von Nobelmarken, dazu passenden Handtaschen und vor allem mit für Besichtigungen im Gelände wirklich passendem Schuhwerk! Die Mutter mit Luxus-Flipflops mit Strassteinen und die Tochter mit Waffenschein pflichtigen Highheels. Wir haben noch der kleinen Ausstellung einen kurzen Besuch abgestattet und haben uns dann auf der anderen Wanderroute auf einen zügigen Heimweg gemacht, um den Tag noch sinnvoll nutzen zu können. Die andere (blaue) Route war gleich am Anfang sehr steil, aber die erste Hälfte war durchgehend gepflastert (was aber schon einige Jahre alt war), das Gehen auf diesem Weg war nicht so angenehm wie auf der anderen (gelben) Route, da man da auf dem größtenteils federndem Waldboden läuft. Den Rückweg haben wir in exakt der gleichen Zeit (52min) zurückgelegt wie den Hinweg. Insgesamt haben wir also statt der veranschlagten 170min nur ~105min gebraucht. :P

Als wir wieder im Hotel waren, war es schon 13.30h und wir rechneten uns aus, daß nach dem Frischmachen, nach Varna reinfahren und Parkplatzsuchen kaum noch Zeit für das Archäologische Museum bliebe, da dieses schon um 17h wieder schließt. Eine kurze Internetrecherche erbrachte, daß für das Museum einiges an Zeit erforderlich ist, da dort nicht nur der älteste bislang gefundene Goldschatz sondern noch einiges mehr besichtigt werden kann. Besonders mir ist es schwer gefallen, auf das Museum zu verzichten. Da aber eigentlich klar ist, daß wir nochmal wiederkommen werden, ist der Besuch nur aufgeschoben und keinesfalls aufgehoben! Statt des Museumsbesuchs hatten wir jetzt wenigstens ausreichend Zeit, um noch an den Goldstrand zu gehen und im Schwarzen Meer zu baden. Trotzdem bin ich aber vorher schnell nochmal im Hotel in den Pool gesprungen, weil ich mich so verschwitzt und klebrig gefühlt habe. Anschließend sind wir dann direkt runter an den Strand gegangen und wir waren beide echt neugierig, was uns erwarten würde. Nachdem wir einen Weg durch die beiden Hotelreihen hindurch gefunden hatten, standen wir auf der Promenade. Sowohl rechts als auch links war nichts anderes als Buden und Fresstände zu erkennen. Glücklicherweise gab es gleich an der stelle, an der wir auf die Promenade gestoßen waren einen Durchgang zum Strand, den wir auch sofort genutzt haben. Am Strand angekommen sahen wir rechts und links erstmal einen langen 3 oder 4-reihigen Abschnitt mit Sonnenschirmen und Liegen zum Mieten. Für uns beide war es das erste Erlebnis eines Massenstrandes a la Mallorca. Wir nahmen unsere Sandalen in die Hand und haben uns ein freies Plätzchen daneben augesucht. Karin ist dann direkt ins Meer gegangen während ich auf die Wertsachen aufgepaßt habe. Anschließend war ich dann auch im Wasser, aber alleine macht das natürlich nicht soviel Spaß. Der Meeresboden fällt sehr flach ab, es gab kaum Algen und ich habe keinerlei Quallen gesehen. Der Wellengang war merklich, aber hätte gerne noch ein wenig stärker sein können. Insgesamt ein Strand, der gefällt, aber nur außerhalb der Hauptsaison. Wenn sich hier dann zigmal mehr Leute tummeln, ist es sicherlich schnell zu Ende mit dem Spaßfaktor. Nachdem auch ich wieder aus dem Wasser und halbwegs getrocknet war, haben wir uns auf der Promenade nach etwas Eßbarem umgesehen, da wir beide seit dem Frühstück, also knapp 7h, nichts mehr gegessen hatten. Wir haben uns dann nach einer ausgiebigen Begutachtung aller Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme für einen Döner entschieden, der allerdings ungefahr deutsches Preisniveau hatte (6Lev = ~3€). Alle anderen Freßbuden (die erstaunlicherweise eher in der Unterzahl waren) schreckten entweder durch ihr Angebot (Schnitzel mit Bier 12Lev) oder Aufmachung ab. Und wir wollten ja erstmal nur eine Kleinigkeit, um den schlimmsten Hunger zu stillen, bis wir Abends dann richtig essen gehen. Nach der Stärkung durch den Döner sind wir auf der Promenade noch ein gutes Stück weitergegangen. Irgendwann wurden es uns aber zu blöd, ständig die Animierer abzuwimmeln, und wir sind wieder umgedreht. Nachdem wir auch auf dem Rückweg kein Lokal gefunden haben, was uns für ein Abendessen ansprechend genug erscheint, und Karin auch nicht mehr nach Varna reinfahren will, weil ihr einerseits vom Laufen heute der Knöchel weh tat und sie auch nicht erst noch länger suchen wollte, sind wir wieder zu dem gleichen Lokal in der Nachbarschaft gegangen, bei dem wir schon die letzten beiden Abende waren. Karin wählte zunächst das Schweine Filetsteak, daß ich am Abend zuvor hatte, ließ sich dann aber vom Wirt Michael zu der Geflügelvariante überreden. Ich ließ mir den Haiduken-Spieß schmecken. Als Vorspeise haben wir jeder einen Schopska-Salat genossen und zum Hauptgericht gab es zusätzlich wieder das leckere selbstgemachte Fladenbrot und dazu die Knoblauchsauce. Nachdem Essen haben wir noch kurz den nächsten Tag besprochen und geplant. Heute Abend waren wir auch nicht die letzten Gäste, so daß wir ohne Zaunpfahl-Verabschiedung aufgebrochen sind. Danach haben wir beide noch ein wenig gelesen bzw. an diesem Tagebuch weitergeschrieben und schon mal ein wenig eingepackt.

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9.Tag Bulgarien: Steinerner Wald und Varna

Wir stehen dieses Mal wieder früher auf, um etwas mehr vom Frühstücksbuffet zu bekommen, aber es ist ähnlich geplündert wie gestern. Offensichtlich gehören die meisten anderen Gäste hier zur Fraktion der Sehr-Früh-Aufsteher. Dafür leistet uns sowohl am Buffet als auch bei Tisch ein Spatz Gesellschaft und nascht ein wenig von Dirks Teller. 🙂

Im Anschluß springt Dirk noch mal kurz in den Pool (ich habe heute keinen Lust sondern lese lieber noch ein bischen) und macht sich dann daran, den platten Reifen gegen das Notrad zu wechseln. Allerdings kommt er gar nicht groß dazu, denn der Hotelier kommt sofort hinzu und nimmt sich der Sache an. Wie sich herausstellt, steckt ein großes Metallstück im Reifen. "Souvenir from Bulgarien roads", meint unser Gastgeber und weist auf den Übeltäter. Dann grinst er breit: "You drive too slow!"

Mit neu bereiftem Wagen fahren wir zum Flughafen außerhalb von Varna, wo sich die Filiale von Europcar befindet. Eine der beiden Mitarbeiterinnen führt uns zu einer Werkstatt voraus, mit der Europcar offenbar zusammenarbeitet, erklärt einem der Mechaniker, worum es geht und fährt ohne ein weiteres Wort direkt weiter – nicht Richtung Flughafen. Es wäre ganz hilfreich gewesen, wenn sie noch einen Moment geblieben wäre, bis tatsächlich alles geklärt ist, aber wir kommen schließlich auch so klar. Vermutlich will sie die Gelegenheit nutzen, schnell etwas zu erledigen, was verständlich ist, wenn sie auch 12 Sunden arbeitet wie ihr Kollege am Flughafen in Sofia.
Die Werkstatt ist eine von vielen, die sich an einer Seite einer von Wohnsilos umgebenen, staubigen und löchrigen Straße aneinander reihen. Was nicht repariert werden kann, kommt auf einen der Schrottplätze, die die gegenüberliegende Straßenseite zieren. Die andere Hälfte Straße wird links und rechts von Gebrauchtwagenhändlern gesäumt. So etwas haben wir vor ein paar Tagen schon gesehen: Da sind wir durch eine Ortschaft gekommen, deren Durchgangsstraße praktisch nur an Autohändlern vorbeiführte. Was man in einer solchen Umgebung normalerweise als letztes erwarten würde, sind Luxusschlitten wie der Jaguar, der vor uns auf der Hebebühne steht. Allerdings treffen wir in diesem Land schon die ganze Zeit auch in den heruntergekommensten Vierteln und Dörfern auf Autos, die ein Vermögen wert sind – teilweise von Jüngelchen gefahren, die noch nicht allzulange im Besitz eines Führerscheins sein können.

Unser Reifen wird ruckzuck repariert und wieder angeschraubt. Der ganze Spaß kostet gerade mal 30,- Leva (15,- €). Da wir sowieso schon in der richtigen Richtung unterwegs sind, fahren wir weiter zum "Steinernen Wald" (Pobitite Kamani) – oder versuchen es zumindest. Unser Navi ist nämlich mal wieder ein wenig verwirrt, so daß wir eine Weile auf teilweise abenteuerlich durchlöcherten Straßen hin und her kreuzen, ehe wir – die Anweisungen des Navis einfach strikt ignorierend – auf die richtige Bundesstraße gelangen, die uns Richtung Westen aus dem Randbezirk Varnas herausführt. Wieder einmal staunen wir dabei, mit welchem Tempo die Einheimischen um die Schlaglöcher herum, bzw. einfach durch sie hinndurch fahren.
Die Ansammlung steinerner, hohler Säulen ist schon beeindruckend und gibt ein paar schöne Motive für den Photoapparat ab. Bisher ist nicht geklärt, wie sie damals im Meer entstanden sind.

Unser nächster Weg führt uns in Varnas Innenstadt, wo wir frisches Geld ziehen und ein bischen einkaufen wollen. Als Zielort geben wir dem Navi "Varna Zentrum" vor, aber wir landen irgendwo daneben. Ein Navigationsgerät hilft schon sehr in einem Land, in dem die Straßenschilder nur schwer bis gar nicht im Vorbeifahren entzifferbar sind, aber man kann sich nicht immer darauf verlassen. Manchmal führt es sonst sehr lustige Wege mit einem.

Varna ist wirklich häßlich, anders kann man es nicht nennen. Die ganze Stadt besteht aus grauen Kästen und Straßenzügen in unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Auch die anderen Städte, die wir besucht haben, bestehen überwiegend daraus. Aber sie haben eben auch eine Altstadt zu bieten. Das fehlt hier, bis auf ein paar eingestreute alte Gebäude, praktisch völlig. Schließlich finden wir aber doch noch ein Zentrum – nur leider keinen Parkplatz. Eine ganze Weile kurven wir – zusammen mit jede Menge anderen Parkplatzsuchenden – durch enge Straßen, aber keine Chance. Doch haben wir immerhin schon mal das Archäologische Museum entdeckt, daß wir noch besuchen wollen. Da müssen wir morgen nur noch herausfinden, wo und wie man dort parkt.

Also suchen wir uns statt dessen weiter zum Stadtrand hin eine Mall mit Parkgarage, kümmern uns um unseren Hunger und machen unsere Besorgungen und fahren dann zurück ins Hotel (in recht flottem Tempo – Dirk scheint sich die Bemerkung des Hotelbesitzers heute Morgen zu Herzen genommen zu haben :-)). Dort gehen wir noch ein bischen schwimmen ehe wir wie am Vortag den Abend bei unserem Lieblingswirt Michael beschließen und dabei ein paar Postkarten schreiben.