Tag Archiv für Sofia

3.Tag Bulgarien: Sofia, Rilski-Kloster, Bansko

Nach dem Auschecken aus dem Hotel haben wir zunächst versucht, eine Post zu finden, damit Karin einen Geburtstagsgruß als Brief wegschicken kann (die Rezeptionistinnen im Hotel Niky wußten das Briefporto nicht). Das haben wir aber schnell aufgegeben, da rund um die Postfiliale das absolute Verkehrschaos mit ausgiebigen Hupkonzerten herrschte und bei uns noch keine ausreichende Anpassung an die bulgarischen Verkehrsgewohnheiten stattgefunden hat.
Deshalb sind wir gar nicht erst ausgestiegen, sondern sind zum National-archäologischen Museum weitergefahren. Auch wenn der Führer das Museum nur wegen der Kopie des Reiters von Madara empfiehlt, der dort halbwegs aus der Nähe betrachtet werden kann (was sich dann als immer noch recht suboptimal rausstellte, da die Kopie an der Stirnwand im 1.Stock angebracht ist, auf die eine breitere Treppe hinführt, die dann aber leider doch nicht bis ganz oben führt, sondern am Ende nach beiden Seiten parallel zur Stirnwand abknickt. Dadurch steht man immer mehr oder weniger unterhalb des Reiters und holt sich eine Genickstarre). Trotzdem kann man ihn hier sicherlich sehr viel besser sehen als am Orginalstandort. Aber die Funde aus römischer, thrakischer und Stein- und Bronzezeit sind IMHO sehr viel interessanter. Insgesamt ist das Museum definitiv einen Besuch wert!

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Als wir das Museum verlassen haben, war es schon kurz vor 13h und wir mußten uns sputen, wenn wir an dem Tag noch was anderes erleben wollten. Als erster und nächster Punkt auf unserer Besichtigungsliste stand das Rilski-Kloster. Die Fahrt dahin ging erstmal durch die Außenbezirke von Sofia und die Straßen waren immer noch grausam wie in der Sofioter Innenstadt. Da ich mich über die Straßen in Sofia noch nicht ausgelassen habe, schnell ein kurzer Exkurs dazu: Schon bei der Übernahme des Wagens wurde ich darüber informiert, daß die Straßen in Sofia deutlich schlechter wären als im Rest des Landes. Und die Straßen in Sofia sind wirklich sehr, sehr schlecht. Man muß tatsächlich beim Fahren permanent aufpassen, ansonsten knallt es unweigerlich Sekunden später unter dem Auto. Und einige Schlaglöcher sind so groß und tief, daß man eine Großfamilie Meerschweinchen drin halten kann. Dazu kommt, daß die Bulgaren die meisten Verkehrsvorschriften eher als nette Märchen ansehen. Da wird eigentlich nie geblinkt, permanent über zwei Fahrspuren gefahren, Motorräder quer über den Bürgersteig und Autos in Verlängerung einer Bürgersteigecke mitten in die Kreuzung hinein geparkt. Aber auch alle anderen Verkehrteilnehmer interpretieren die Vehrkehrsregeln ziemlich frei. So haben wir am ersten Tag in Sofia mehrere Personen seelenruhig am Rand der Autobahn entlangspazieren sehen. Und auch Pferdekarren nutzen hier ganz selbstverständlich die Autobahn. Aber im Gegensatz zu Sofia und ebenfalls von dem Mitarbeiter von Europcar angekündigt sind die Straßen im restlichen Land (soweit wir das jetzt schon beurteilen können) deutlich besser (Ausnahme: um Mellnik herum). Ende des Exkurses zu den Straßenverhältnissen. Wir sind also auf den besser werdenden Straßen von Sofia bis hinter Rila zum Rilski-Kloster gefahren. Das Kloster ist schon von seiner Lage am Ende eines langen Tales sehr beeindruckend. Aber wenn man dann durch das Tor geht und die gesamte Anlage aus Turm und Kirche in der Mitte und den eigentlichen Klostergebäuden als eine Art 5-Eck drumherum sieht, dann kann einem schon mal ein ehrliches Wow entfahren. Die Kirche ist wieder sehr duster und ansonsten nichts außergwöhnliches und den Turm kann man leider nicht besteigen, aber die Kirche ist auch außen an den von einem breiten Dach geschützten Wänden bemalt, und das dazu noch sehr farbenfroh. Und dazu kommt die Streifenbemalung der restlichen Außenwände der Kirche und die Größe und das Fachwerk des eigentlichen Klosters. Das Museum ist ganz nett und man kann es sich antun, aber wirklich wichtige Informationen oder Ausstellungsstücke findet man dort nicht. Das Interessanteste sind sicherlich die ausgestellten Waffen der Wachen aus dem 18. Und 19. Jahrhundert. Nach dem Klostermuseum haben wir noch Postkarten gekauft und uns dann wieder auf den Weg gemacht. Wir wußten nicht, wie weit wir noch kommen und so haben wir entweder Blagoevgrad oder Bansko als mögliche Orte zum Übernachten ins Auge gefaßt. Die Fahrt nach Blagoevgrad ging sehr fix, so daß wir nach Bansko weitergefahren sind und uns darauf gefreut haben, am nächsten Morgen in den Bergen aufzuwachen. Die Fahrt von Blagoevgrad nach Bansko war auch zunächst vielversprechend. Aber wir landeten schließlich in einem gigantischen Talkessel und Bansko stellte sich als große Baustelle und Retortenstadt neben der Altstadt heraus. Fast alle Hotels hatten geschlossen, so daß wir schon damit gerechnet haben, möglicherweise für diese Übernachtung deutlich mehr zu bezahlen. Wir waren dann froh, als wir in einem Eingang jemanden stehen sahen und haben wir sofort angehalten. Und wir waren ziemlich happy, als wir ein Zimmer im Hotel Hadji Georgi bekamen und waren dazu noch sehr angenehm vom Zimmerpreis überrascht (30 Lev = ~15€). Das Zimmer war zwar sehr einfacher Art und in der Saison sicherlich nur für Partyverrückte erstrebenswert, da es direkten Zugang zum Biergarten hinter dem Hotel hatte (außerdem fehlte im Bad der Duschvorhang und man setzte beim Duschen das gesamte Bad unter Wasser), aber alle Mängel machte die nette Besitzerin wieder wett, mit der wir uns beim Abendessen und danach ausgiebig unterhalten haben. Sie hat uns schon vor dem Essen zum einem großen Schluck von ihrem Mann (der leider kein Wort Englisch sprach) selbstgebrannten Rakhia (der Begriff ist jetzt eine rein akustische Schreibung nach meinem Gedächtnis) eingeladen, von dem wir dann auch noch eine Flasche mitgenommen haben. Der Abstecher nach Bansko von ca. 30km hat sich alleine für dieses Kennenlernen gelohnt und zeigt mal wieder die Freundlichkeit und Aufgeschlossenheit der Bulgaren. Posted from WordPress for Android on SE Xperia X10 mini pro

2.Tag Bulgarien: Sofia

Auch heute wieder haben sich die Bulgaren mehrheitlich als überdurchschnittlich nett und hilfsbereit präsentiert: Als ich mir eine bulgarische PrePaid-Karte zugelegt habe (und eine zweite für den Internetzugang via Handy, weil das zumindest bei der Telephongesellschaft Mtel nicht kombiniert geht), hat sich eine der Mitarbeiterinnen (sie sprach ausgezeichnet Deutsch, da sie 3 Jahre in München gelebt hat) im Laden wirklich lieb um mich gekümmert, um für mich das erste Aufladen vorzunehmen (einen bulgarischen Sprachcomputer zu bedienen ist sicherlich keine wirklich einfache Aktion). Und morgens beim Aufbruch aus dem Hotel mußten wir feststellen, daß unser Auto schon von einem Knöllchen und einer Parkkralle verziert war. Die Mitarbeiter im Hotel haben dann die erforderlichen Maßnahmen für uns eingeleitet und uns erklärt, wie man ohne Handynutzung die Parkgebühren entrichtet. Ca. 5-10min nach dem Anruf waren die Jungs von Sofiatraffic vor Ort und haben gegen Entrichtung von 10Lev (also ca. 5€) die Parkkralle entfernt. Für das erforderliche Parkticket bis zum nächsten Vormittag haben sie uns dann an die wandelnde, menschliche Parkuhr verwiesen. Denn wenn man sein Parkticket nicht per Handy klar macht (alle dafür benötigten Informationen stehen auf zig Schildern an den Straßenkreuzungen), muß man sich an einen rumlaufenden Parkticketverkäufer wenden (erkennbar an den grünen Warnwesten), der dann für je bis zu 4 Stunden ein Parkticket ausstellt und die gebuchten Zeiten mit einem Locher an den Rändern kodiert. Die Verständigung war ziemlich schwierig, da er weder Deutsch noch Englisch sprach, aber ich habe es dann doch geschafft, ihm klarzumachen, daß ich gerne ein Parkticket für 24h hätte. Bei uns hatte das zur Folge, daß wir 5 Tickets auf dem Armaturenbrett auslegen mußten. Aber gottseidank bin ich vorher nochmal zum Hotel zurück und habe die Rezeptionistinnen kontrollieren lassen, ob das mit den 5 Tickets so seine Richtigkeit hatte. Und siehe da, die Tickets liefen nur bis 17.30h am selben Tag und nicht wie erforderlich bis 18.30h. Da er aber die restlichen Tickets richtigerweise bis 11.30h am nächsten Morgen ausgestellt hatte, muß man ihm wohl unterstellen, daß er eine Möglichkeit für eine weitere Kralle offen gelassen hat. Der war/ist also ein ebensolches Schlitzohr wie der inoffizielle Taxifahrer, den wir nach der Ankunft am Flughafen engagiert hatten, um uns zum Hotel zu lotsen und der dann plötzlich 10Lev mehr wollte, als wir am Hotel angekommen waren (aber auf eine eher freundliche Art und er hat dann auch schnell abgelassen – die Story habe ich gestern noch gar nicht geschrieben. Das muß ich dann wohl noch nachholen). Deshalb schreibe ich oben auch von "haben sich die Bulgaren mehrheitlich als überdurchschnittlich nett und hilfsbereit präsentiert". Naja, ich habe die menschliche Parkuhr dann eine Querstraße weiter noch aufspüren können und er hat auffallend schnell kapiert, daß ich noch ein weiteres Ticket für die fehlende Stunde von ihm haben wollte (Kostenpunkt ein weiterer Lev, da die Parkgebühr 1 Lev pro Stunde beträgt).
Zum übrigen Tag läßt sich dann noch folgendes erzählen:
Sofia macht irgendwie permanent müde. Obwohl ich letzte Nacht 8h geschlafen habe, hat es wirklich eine kleinere Überwindung des inneren Schweinehundes gekostst, in die Stadt aufzubrechen. Nach der Aktion mit der Parkkralle war es dann auch schon nach 11h, ehe wir wirklich losgekommen sind. Wir sind dann zum Boulvard Maria Luisa und haben dort erst vor dem Justizpalast über dessen Funktion gerätselt und sind dann im Innenhof des Sheraton Hotels und des Ministerium für Erziehung, Jugend und Familie in die älteste noch halbwegs intakte Baustruktur, die auf den Fundamenten eines römischen Tempels erbaute Kirche Sveti Georgi. Von den ehemaligen Wandmalereien war kaum noch was zu sehen und das sehenswerteste waren die römischen Fundamente (sind draussen besser zu erkennen als in der Kirche) und die nach ziemlich genau 10Jahren nach der Komplettrestaurierung fast schon wieder abbruchreife Dachkonstruktion, die die Kirche zu deren Schutz teilweise überspannte. Danach haben wir uns die unter Strassenniveau gelegenen Fundamente eines Stadttores in einer Strassenunterführung angesehen. Und dann haben wir das in unserem Führer als sehenswert beschriebene zentrale Kaufhaus angesehen, bei dem die eindeutig aufgrund ihrer optischen Erscheinung ausgesuchten Verkäuferinnen das Bemerkenswerteste waren.
Direkt hinter dem Kaufhaus (das aber eher ein Einkaufszentrum ist, da es nur aus einzelnen kleineren Läden besteht), kommt man auf einen Platz mit großem Springbrunnen, an dem sowohl das alte Kur-Mineralbad als auch die Banya-Bashi-Moschee liegen. Wir haben uns die Moschee von innen angesegen, die sehr schlicht und unspektakulär ist (das interessanteste war Karin im grünen Kaftan, den sie sich als Frau umhängen mußte – Bild dazu folgt, sobald wir zu Hause die Kameras ausgelesen haben). Nach der Moschee sind wir in die wiederum direkt benachbarte Jugendstil-Markthalle, wo sich Karin oben eine kleine Tasche gekauft und ich unten die schon erwähnten SIM-Karten besorgt habe. Nach einer kleinen Stärkung mittels Latte Machiatto bei McD haben wir uns an der seitlich neben dem Mineralbad (das übrigens zum großen Teil leer steht, der schon angefangenen Restaurierung harrt und dabei weiter verfällt) je eine Flasche mit dem 46Grad heißen Quellwasser abgefüllt und dabei gestaunt, wieviele Sofioter mit großen Behältern (teilweise 8 oder 10 10l Gefässe von Wasserspendern) kommen, diese an mehreren Hähnen gleichzeitig füllen und dann mit ihrem direkt in der Nähe in 2.Reihe geparkten Autos wieder wegdüsen.
Mit einem kleinen Päuschen in dem der russischen Kirche Sveti Nikolai benachbarten kleinen Park gestärkt, haben wir uns dann die Alexander-Nevski Kathedrale angesehen, die nicht wirklich alt und innen insgesamt sehr, sehr duster ist (das scheint aber eher typisch für die orthodoxen Kirchen hier zu sein). Aber direkt als wir wieder gehen wollten, fing eine kleine Andacht an: 5 Laiensänger und ein Priester. Der Priester sing-sangte seine Lithurgie und die Sänger stimmten darin ein, teilweise wechselten sie sich ab. Die gesamte Andacht wurde gesungen. Und die Akustik in der Kirche war wirklich beeindruckend: Schon der Gesang des Priesters erschuff eine Art Schwebeton, der seinen eigentlichen Gesang wie eine Begleitung untermalte. Und die 5 Sänger schafften es ohne erkennbare Anstrengung die gesamte Kirche mit ihrem Gesang auszufüllen. Wir waren davon echt beeindruckt. Die gesamte Andacht hat ca. 10min gedauert, dann wechselten die Sänger noch ein paar Worte wie bei einem Nachbarschaftspläuschchen und dann packten sie ihre Aktentaschen und verschwanden. Und auch wir machten uns auf den Weg zurück ins Hotel. Nach einer Dusche haben wir dann im großen Wintergartenbereich des Hotek Niky gegessen. Abgesehen davon, daß die Speisekarte fast unüberschaubar lang ist, war das Essen OK, die Vorspeisen sogar echt lecker. Beim Essen haben wir uns dann auch nochmal Gedanken über unsere Route für die nächsten 1-2 Tage gemacht, die wir zu Hause schon grob vorgeplant hatten.

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1.Tag Bulgarien: Sofia

In eigentlich allen Beschreibungen über Bulgarien findet man die Aussage, wie nett, herzlich und gastfreundlich die Bulgaren sind. Nun, der erste Eindruck hat das jedenfalls größtenteils bestätigt: Von den Aufseherinnen im Nationalhistorischen Museum abgesehen, die einen etwas grummeligen Eindruck machten, als ob sie aus der Vor-Wendezeit ins heute geschleudert worden wären,

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waren alle anderen Bulgaren mehr als nett. Ganz besonders die Mitarbeiter im Hotel Niky und die im Restaurant Cactus. Das Essen im Cactus war übrigens richtig gut. Wir hatten gegrillten Camenbert mit Honigsauce (sehr lecker) und gegrillten Ziegenkäse auf Spinat mit Tomaten und Speck (mehr als sehr lecker) als Vorspeise und mit geräuchertem Käse überbackene Hähnchenbrust auf Naturchampignons mit knusprigen Kartoffelscheiben (lecker) und Entenbrustroulade gefüllt mit Gänseleber (vermutlich leider gestopft) mit Katoffelplätzchen und einer sauleckeren Honigsauce (insgesamt alles extrem lecker). Das Restaurant Cactus findet man auf dem Rückweg von Boyana zurück ins Zentrum rechts fast direkt an der Straße.
Ach ja: die Wandmalereien der Kirche in Boyana sind wirklich sehenswert. Ich habe jedenfalls noch nie Malereien aus dem Mittelalter gedehen, bei denen die Gesichter teilweise so interessant und die Faltenwürfe so realistisch gezeichnet waren. Vermutlich kann man nur bei einer eigenen Besichtigung wirklich erfahren, wie leuchtend die Farben und wir gut die Bilder insgesamt sind. Da kann man gut verstehen, wieso die Kirche UNESCO Weltkulturerbe ist!
Und im Nationalhistorischen Museum sind die ausgegrabenen Gold- und Silberschätze auch sehr beeindruckend. Einige der ausgestellten Objekte wie zum Beispiel die vielen Trinkhörner

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und an römische Lorbeerkränze erinnernde Kränze aus sehr feinen Laubblättern sahen so neu und glänzend aus, daß sie fast einen unechten Eiindruck machten.

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Insgesamt war das ein wirklich sehr netter Ausflug und Tag.
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