Tag Archiv für Veliko Tarnovo

12.Tag Bulgarien: Veliko Tarnovo und Kasanlak

Der Wecker klingelte um 7.00h, Karin war schon früher wach, ich habe bis 7.20h gebraucht, um den Übergang in die Welt der Lebenden zu vollziehen. Ich brauche dringend Urlaub vom Urlaub!
Das schöne Hotel Real überraschte beim Frühstück. Für uns war ein Tisch in der Empfangshalle gedeckt, wo alle Möbel pompös-herrschaftlich gestylt sind. Selbst der Flachbildfernseher an der Wand hat einen goldenen Schmuckrahmen. Das Frühstück selber holte die Rezeptionistin, die übrigens wirklich gut Deutsch spricht, hinter ihrem Tresen hervor und wir bekommen jeder ein schon mit Salami, Käse und Gurken fertig belegtes, flaches und leider ziemlich trockenes Baguettebrötchen, ein merkwürdig gefülltes Croissant und einen Handteller-großen Keks mit Schokoladenüberzug. Dazu eine Tasse Nescafe-Kaffee aus einem Automaten und ein Glas "Orangensaft", der eine merkwürdig klare, gelb gefärbte Flüssigkeit ohne einen Hauch von Orangengeschmack war (kam aus einem Behälter, wie sie an Bars und Kiosken zu finden sind, die gekühlt und ständig gerührt werden). Karin bekam davon genau einen Schluck runter, ich habe ihn aufgrund der Trockenheit des Brötchens erst nach dem zweiten Schluck als ungenießbar abgeschrieben. Anschließend haben wir unsere Sachen gepackt und haben ausgecheckt. Dabei hat uns die Rezeptionistin in ein Gespräch verwickelt, denn, wie sich rausstellte, hat sie Germanistik studiert (das hier ist sicherlich nicht ihr Traumjob) und hat eine Zeit lang in Frankfurt gelebt, kannte sogar (vom Durchfahren) Marburg. Sie schwärmte uns dann von Abanassi vor, wo Todor Schiwkow eine Villa mit bestem Blick auf Veliko Tarnovo hatte und wo sich neben dem Fußballstar Ballakoff inzwischen auch viele Engländer, Holländer und Dänen Immobilien kaufen (nach der Aussage der Rezeptionistin aber auch im restlichen Umland von Veliko Tarnovo). Wir haben ihr versprochen, uns Abanassi noch anzusehen und haben uns gefaßt gemacht, bei unserem nächsten Besuch hier zu gestehen, daß es dazu dann doch nicht mehr gekommen ist. 😉
Trotzdem war das Hotel eine gute Wahl: Die Betten waren wirklich gut, das Bad trotz leicht schiefen Türen der Duschkabine für bulgarische Verhältnisse in dieser Preisklasse (30,- € für das Zimmer inkl. Frühstück) sehr komfortabel. Und das wichtigste ist, daß die Klimaanlage sehr effektiv und dabei noch halbwegs leise arbeitete und dazu noch gut zu bedienen war.
Wir haben dann das Gepäck ins Auto geladen und sind die Hauptstraße, an der das Hotel Real liegt, einfach weiter nach links gefahren und so direkt auf den Vorplatz des Festungshügels Zarevez gelangt. Dort mußten wir das Auto leider in der schon um 10h stark bruzzelnden Sonne parken und haben bei der menschlichen Parkuhr ein Ticket für 2h erworben. Aber noch vorher sind wir schon von einer Frau angesprochen worden, die schon an das Autofenster klopfte, als wir noch nicht richtig standen. Sie versuchte uns in ihr Souvenirgeschäft mit einer Postkarte zu locken, auf der groß der Festungshügel und in einem kleinen Kasten ein Photo des Geschäftes abgebildet war. Wir haben dankend abgelehnt, bekamen dann von ihr eine diesern Karten geschenkt, falls wir doch noch Souvenirs bräuchten.
Danach kam der Parkticketverkäufer nochmal und hat uns zweifach darauf hingewiesen, daß nach Ablauf der Zeit der Wagen mit einer Kralle blockiert wird.
Der Zugang zum Festungshügel erfolgt über eine wirklich lange Rampe, die direkt beim Parkatz beginnt. Diese Rampe ist so lang, daß auf ihr noch eine Art Vortor mit Zugbrücke erbaut wurde, das mit der restlichen Verteidigungsanlage nicht verbunden ist. Schon hier, nach ca. 50-100m läuft mir der Schweiß in Strömen den Rücken runter, obwohl der Weg noch nicht nennenswert angestiegen ist.
Hinter dem Vortor kam eine sehr kindliche Show mit mechanisch bewegten Historien-Puppen und dazu eine bulgarische Erklärung. Uns hat das – abgesehen davon, daß wir es eh nicht verstanden haben – ziemlich abgeschreckt und so sind wir trotz animierenden Rufen des Betreibers schnell weitergegangen. Dahinter ging es dann über eine recht steile und sich windende Treppe den Berg rauf. Kurz vor der Bergspitze, auf der in früheren Zeiten der Palast des Patriarchen stand und in den 80er Jahren eine Kirche neu gebaut wurde, haben wir im Schatten Pause gemacht und die noch kühlen Wasservorräte reduziert. Nachdem wir ein wenig getrocknet waren, sind wir dann in die Kirche und so ungefähr direkt wieder umgedreht. Unser Führer (Baedeker) nannte den Stil modern-nüchtern, ich würde eher sagen, der Stil erinnert an Mordor. Dustere Gemälde mit überlangen Figuren, mehr konnte ich nicht erkennen.
An die Kirche war – für die bulgarischen orthodoxen Kirchen laut Führer eher untypisch – ein Kirchturm angebaut. Diesen konnte man gegen Entrichtung von 2Lev pro Person mit einem Aufzug "erfahren". Dort oben hatte man dann wirklich einen guten Blick auf die Hügel von Veliko Tarnovo, den Fluß und sogar auf Abanassi und die ehemalige Villa vom Diktator Schiffkov. Wir haben in alle Richtungen Photos gemacht und uns vom Fahrstuhlführer auch nochmal vor dem Panorama der Stadt photographieren lassen. Dann sind wir vom Turm und dem Festungshügel abgestiegen, diesmal aber nicht über die steile Treppe, sondern den langen Weg am ehemaligen Zarenpalast und Wirtschaftsgebäuden vorbei. Leider gab es im ganzen komplex nur wenige Erklärungstafeln und viele davon enthielten dann auch noch redundante Informationen (immerhin konnten wir noch irgendwo lesen, daß es auf dem Festungshügel insgesamt mal 22 Kirchen gegeben hat!). Wir haben uns beim Abstieg darüber unterhalten, daß mit einer besseren Information der Besucher – nach Möglichkeit mit Zeichnungen/Modellen der rekonstruktierten Gebäude – für diese der Besuch wesentlich informativer und unterhaltsamer wäre.
Kurz vor dem Vortor kam uns ein anderes Besucherpaar entgegen und hatte eindeutig Eintrittskarten in der Hand. Wir hatten uns schon vorher gewundert, wieso nirgendwo Eintrittskarten verkauft wurden. Als wir ans Ende der Rampe kamen, wurden wir von einer jungen Frau angesprochen, die fragte, ob wir für ihre Doktorarbeit ein paar Fragen über unseren Festungsbesuch beantworten würden. Hinter ihr sahen wir ein Häuschen mit dem Schild Kaca und einen Mann, der offensichtlich Eintrittskarten kontrollierte. Direkt nach der Beendigung des Interviews kam er auf uns zu und wollte unsere Karten sehen. Wir konnten dann natürlich nur gestehen, daß wir keine hatten und haben lediglich die Karten nachträglich noch erwerben müssen. Danach erwartete uns ein heftig aufgeheiztes Auto, bei dem ich anfangs das Lenkrad kaum anfassen konnte. Unser Navi hat uns dann auf teils merkwürdig kleinen Straßen und durch Orte, wo sicherlich nicht häufig Touristen durchfahren, über Grabovo und den Shipka-Paß, wo wir nochmal Pause gemacht und was gegessen haben, nach Kasanlak gebracht. Die Fahrt über den Paß war mit einigen sehr nette Ausblicken verbunden.
Vor Kasanlak konnten wir noch einige (> 20) der Grabhügel rechts und links der Straße entdecken. Bei Ankunft in Kasanlak haben wir als erstes das gleich am Ortseingang befindliche Rosenmuseum besucht. Wie wir dort erfahren mußten, war die Rosenernte leider schon vorbei (sie endet mit dem Rosenfest in der ersten Juniwoche).
Als nächstes machten wir uns auf die Hotelsuche (das nervigste an der Art, wie wir gerade reisen). Das vom Führer empfohlene Hotel gibt es nicht mehr und nach längerem Kreisen im Zentrum waren nur teurer oder geschlossene Hotels zu finden (das genaue Gegenteil von Veliko Tarnovo). Wir sind dann zu einem Hotel etwas weiter vom Zentrum gefahren, das wir am Anfang bei der Suche nach dem vom Führer empfohlenen von Weitem gesehen hatten. Das vor dem Hotel parkende Auto mit Westerwälder Kennzeichen eines Windradherstellers war schon mal ermutigend. Das angebotene Zimmer lag zwar unter dem Dach, aber sonst erfüllte das Zimmer alle unsere Ansprüche (noch halbwegs günstig = 60Lev, Frühstück, zwar keine Klimaanlage, aber wenigstens Klimagerät und freies WLAN). Wir haben nur schnell unser Gepäck abgestellt und sind dann gleich aufgebrochen, um noch das berühmte Grab von Kasanlak zu besuchen, das von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft worden ist.
Wir haben an der Rezeption nach dem Weg gefragt, aber die Rezeptionistin konnte so wenig Englisch, daß sie uns nur die Richtung angeben konnte. Wir sind mit dem Auto losgefahren, haben aber schon nach 50m umgedreht, denn es stellte sich heraus, daß unser Hotel in unmittelbarer Nähe des Grabes liegt. Nachdem wir unseren Wagen wieder am Hotel abgestellt haben, sind wir zu Fuß den Katzensprung zum Grab rüber. Da wir bislang nur Staatsoberhäupter in spe und keine berühmten Archäologen sind, konnten wir uns nicht das Orginalgrab, sondern nur die Kopie besuchen. Aber auch die war mehr als beeindruckend. Die Bemalung innen war wirklich irre und für ihre Zeit wirklich sensationell: so wird zum Beispiel Dreidimensionalität durch die Nutzung von Licht und Schatten hervorgerufen, was ansonsten in der Malerei verloren gegangen und erst ungefähr im 17.Jahrhundert wiedererfunden worden ist. Besonders die Zeichnung einiger Pferde war super gelungen und jedes Pferd individuell gezeichnet.
Nach der ausgiebigen Besichtigung des Grabes haben wir uns erstmal im Hotel geduscht und frisch gemacht. Wir sind zum Essen in die Fußgängerzone im Zentrum gefahren. Wir hatten erst mal wieder Shopska-Salat und Karin dann eine Geflügelrolle mit Pilzen und anderem Gemüse gefüllt und ich hatte Pork Steak Hunters style, was nicht unserer Jägersauce entsprach, sondern einer wilden Gemüsemischung aus Gurken, Möhren, Pilzen, Schinken und noch einigem mehr. Dazu gab es breaded potatoes with cheese (in Bulgarien sehr gebräuchlich: Pommes mit darüber geriebenem Feta-Käse).
Die Nacht im Hotel stellte sich dann als sehr warm heraus, denn sobald man das laut lärmende Klimagerät ausschaltete, wurde es im Zimmer fast augenblicklich deutlich wärmer – für vernünftiges Schlafen eigentlich zu warm.
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11.Tag in Bulgarien: Madara, Veliko Tarnovo

Die Tage am Schwarzen Meer sind vorbei, ab heute geht es wieder zurück in die generelle Richtung Sofia. Im Frühstücksraum kommt Dirk der Angestellte, der gestern das Brot nicht toasten wollte, direkt freudestrahlend entgegen: "We will toast your bread!" 🙂
Nach dem Frühstück packen wir fertig, ich bezahle das Handtuch, daß ich versehentlich an einer Lampe angekokelt habe, dann verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg.

Die Fahrt nach Madara, genauer: zu dem Archäologischen Komplex von Madara dauert nicht sehr lange. An der Autobahn gibt es eine Ausschilderung, danach sind die Hinweise auf diese wichtige archäologische Stätte vergleichsweise dürftig.
Das Bedeutenste an Madara ist das Felsenrelief des Reiters, von dem wir ja schon eine Kopie in Sofia gesehen haben. Die ersten Stationen unseres Rundwegs sind jedoch einige Höhlen, die bereits im Neolithikum bewohnt wurden. Eine der Höhlen, die eher eine überhängende Felswand ist und in der man Zeugnisse menschlicher Nutzung aus thrakischer Zeit bis hin zu türkischen Tonpfeifen gefunden hat, wird heute wegen ihrer Akkustik gelegentlich für klassische Konzerte genutzt. Wir kommen  hier mit einer kleinen Gruppe Deutscher und Bulgaren ins Gespräch und photographieren uns gegenseitig. (Die – sehr gut Deutsch sprechende – Bulgarin findet es mutig von uns, so alleine durch Bulgarien zu reisen. Wir fragen uns, warum eigentlich, die anderen sind ja offensichtlich auch privat in einer nur kleinen Gruppe unterwegs.)
Danach führt der Weg weiter zu besagtem Felsenrelief eines Reiters in annähernd Lebensgröße, das dort, in 20 Metern Höhe, vermutlich Anfang des 8. Jahrhunderts in die steile Felswand gemeißelt wurde. Dieses einzige derartige frühmittelalterliche Monumentalrelief Europas, das früher überputzt und sicherlich farbig gestaltet war, wurde vermutlich zur Ehrung des Khans Tervel gefertigt, der Anfang des 8. Jahrhunderts erfolgreich für die Festigung und Ausweitung des Ersten Bulgarischen Reiches gekämpft hatte. Während ich das aus unserem Baedecker vortrage, liest der Mann drüben auf der anderen Bank seiner Frau bestimmt gerade aus dem Baedecker, den er in der Hand hält, genau die gleiche Stelle vor. 🙂
Das Relief ist hier übrigens besser zu sehen, als in der Kopie in Sofia.

Die dritte Station, eine Festung hoch oben auf den Felsen oberhalb des Reiters, deren Anfänge im 5. Jahrhundert liegen, besucht Dirk alleine, weil ich die zahllosen ziemlich hohen Stufen meinem Arthrosegelenk nicht antun will. Der Marsch zum Aladscha-Kloster gestern und zurück hat schon gereicht. Ich warte solange in ziemlich dürftigem Schatten, der nur bedingt vor der sengenden Sonne schützt, schreibe diesen Text bis zu dieser Stelle und leide in Gedanken mit denjenigen mit, die sich bei diesen Temperaturen da hoch quälen. Der Ausblick über das Dorf Madara und die Donau-Ebene ist auch von der Stelle, bis zu der ich mitgekommen bin, schon ziemlich klasse. (Brilliantes Timing: In diesem Moment kommt Dirk wieder hier unten an. Er sagt, die Kraxelei hat sich gelohnt, bin gespannt auf die Photos.)
Den Abschluß des Rundgangs bilden einige heidnische Kultstätten und Fundamentreste u. a. einer Basilika, die über einer dieser Stätten errichtet wurde, aber wir können nicht so richtig erkennen, was was ist. Einer Legende zufolge kann man Energie aufladen, wenn man bei einer der Kultstätten im Morgengrauen barfuß durchs Gras läuft, wir beschließen aber, trotzdem heute weiterzufahren. 🙂
Nach kurzem überlegen entscheiden wir, nicht direkt nach Kasanlak zu fahren, sondern erst Veliko Tarnovo, der vierten Hauptstadt Bulgariens im Laufe seiner bewegten Geschichte, einen Besuch abzustatten und uns dort ein Hotel zu suchen. Sie soll eine der reizvollsten Städte Bulgariens sein, und auf einem ihrer drei Hügel sollen substantielle Reste einer mittelalterliche Feste erhalten sein.

Auf der Fahrt dorthin sehen wir immer wieder Kühe, auch mal einen Esel, die weder eingezäunt noch angebunden und unbeaufsichtigt direkt neben der Straße grasen – und zwar durchaus auch an stärker befahrenen Landstraßen!
Unser Navi führt uns über zum Teil etwas abenteuerliche Straßen. Einmal sitzen ein Stück jenseits eines Dorfes ein paar Leute im Schatten eines Baumes – mitten auf unserer Seite der Fahrbahn! Offenbar fahren hier nicht sehr viele Wagen entlang. Bald wissen wir auch, warum: kurz darauf ist die Fahrbahn dermaßen durchlöchert, daß wir nur noch Schlangenlinien fahren können – und zwar gaaaanz langsam. Schrittempo ist fast schon zu viel.
Auch die weiteren Straßen werden wieder von den üblichen Schlaglöchern geziert, die aber teilweise im Spiel von Licht und Schatten, das die Sonne durch die Äste der am Straßenrand stehenden Bäume auf den Asphalt wirft, praktisch nicht zu erkennen sind, was dem Auto ein paar heftige Schläge einträgt.
Einer der Höhepunkte auf dieser Fahrt ist ein Dorf, das mehrere Storchenpaare und ihren Nachwuchs beherbergt. Alleine an der Straße, auf der wir den Ort passieren, sehen wir auf den Masten der Straßenbeleuchtung vier Nester mit den fast ausgewachsenen Jungvögeln und manchmal auch einem Elternteil.
Und wieder fällt uns auf, wie wenige alte Burgen und Festungen es in Bulgarien gibt im Vergleich zu Deutschland. Dirk kommt der einleuchtend klingende Gedanke, daß das vermutlich an der ein halbes Jahrtausend währenden Zugehörigkeit zum riesigen, zentral regierten osmanischen Reich liegt, die ja bis zum Ende des 19. Jahrhunderts währte. Hier brauchte nicht jedes Kleinfürstentum seine eigenen Festen für die Verteidigung gegen die benachbarten anderen Kleinfürstentümer, wie es in deutschen Landen lange Zeit der Fall war.

Auf dem letzten Teil der Strecke nehmen wir ein junges Paar mit, das mit uns bis Tarnovo fährt, um von da noch die 110 km bis Russe weiter zu trampen. Die beiden sind sehr nett, wobei nur er spricht, weil sie sich wegen ihres Englisch nicht traut. Wir erzählen ein bißchen, wo wir gewesen sind, er gibt uns ein paar Tips, was wir anschauen sollten und wie man richtig danke sagt :-), und wir unterhalten über andere Länder, in denen wir gewesen sind. Er ist Kontrabass-Spieler und hat in Tarnovo Musik studiert, wie sich herausstellt.

In Tarnovo setzen wir die beiden ab und versuchen dann, das Hostel zu finden, daß der junge Mann uns empfohlen hat, aber er wußte den Namen nicht mehr, und in der fraglichen Straße reiht sich ein Hotel an das nächste. Das vom Baedecker empfohlene günstige Hotel liegt in einem Viertel, in dem uns die Wahrscheinlichkeit, unser Auto am nächsten Tag heil wiederzufinden, nicht groß genug scheint. Wir entscheiden uns schließlich für das "Hotel Real", das die wichtigen Vorzüge Klimaanlage, Frühstück und eine abgetrennte Duschkabine (!) bietet. 🙂 Außerdem ist es ganz neu und hat W-LAN, aber letzteres hatten, bis auf unsere Unterkunft in Bansko, alle Hotels. Und es liegt absolut zentral. Eine endgültige Beurteilung gibt es morgen von Dirk, wenn wir gefrühstückt haben.
Was freies W-LAN angeht, ist Bulgarien übrigens noch ein Paradies. Wir haben bisher in den meisten Restaurants und in vielen Straßen ein offenes W-LAN vorgefunden.
Nachdem wir eingecheckt und uns geduscht haben, gehen wir noch durch ein paar Straßen der Altstadt, die teilweise – für bulgarische Verhältnisse – ziemlich gut saniert sind. Besonders hübsch ist die "Samovodska Tscharschija", die älteste Handelsstraße der Stadt, in der man tagsüber Werkstätten und Geschäfte des 19. Jahrhunderts besichtigen kann. Jetzt allerdings sind die Läden alle schon geschlossen, und morgen werden wir vermutlich leider auch nicht mehr dazu kommen. Insgesamt gewinnen wir heute Abend den Eindruck einer Stadt mit einem sehr lebendigen Flair, die uns von allen bisher besuchten am besten gefällt. Hier wollen wir bei Gelegenheit mehr Zeit verbringen.
Wir suchen uns für unser Abendessen ein Lokal, wo man draußen sitzen kann. Dort entdecken wir auch endlich die  Pflanze, deren intensiver Duft uns schon in Plovdiv an allen Ecken und Enden aufgefallen war, ohne daß wir den Verursacher identifizieren konnten: Es handelt sich um eine Linde, deren Blüten optisch so unauffällig sind (Lindenblüte eben), daß man sie nicht automatisch mit diesem alles übertönenden Duft in Verbindung bringt.
Danach ist es Zeit fürs Bett, denn wir sind beide müde.