Archiv für 16. Juni 2011

13./14.Tag Bulgarien: Kasanlak, Fahrt Richtung Sofia, Abflug

Heute ist unser letzter vollständiger Tag in Bulgarien – unglaublich, wie schnell zwei Wochen vergehen können! Unser Frühstück können wir leider nicht an einem der vielen freien Tische auf der Terrasse einnehmen, weil es für drinnen vorgesehen ist – na ja, immerhin gibt es eines. Anschließend geben wir noch unseren Schlüssel ab (bezahlt haben wir schon am Vorabend), dann machen wir uns auf die Suche nach dem Historischen Museum in der Ulitza Iskra. Offensichtlich sind die Ausschilderungen von Straßen (wie übrigens auch die sichtbare Darstellung von Hausnummern) in dieser Stadt etwas für Weichlinge, weshalb man komplett darauf verzichtet. Aber Dirk hat glücklicherweise Open Streetmap für Bulgarien aufs Handy geladen, sodaß wir nach einiger Zeit fündig werden.

Das Museum stellt sich als sehr interessant heraus. Es gibt Fundstücke aus allen Epochen, aber das Herzstück ist die Ausstellung zweier Grabfunde aus dem Jahr 2004 im „Tal der thrakischen Könige“, das in Anlehnung an das Tal der Könige in Ägypten wegen seiner zahlreichen Fürstengräber so genannt wird. In dem einen wurde eine massive Goldmaske gefunden, das andere, von Grabräubern unberührte konnte dem Thrakischen König Seuthes III aus dem 4. Jahrhundert v. u. Z. zugeordnet werden. Es war vermutlich ursprünglich eines der ältesten heute bekannten thrakischen Gotteshäuser, das erst nachträglich zum Grab des Königs gemacht wurde. Neben einem Schatz aus zahlreichen Trinkgefäßen, Waffen und goldenem Zubehör für Pferdegeschirre fand man dort auch einen einmaligen Kranz aus goldenen Blättern sowie den vor dem Grab bestatteten Bronzekopf des Herrschers, der offensichtlich zu diesem Zweck von einer Bronzestatue abgetrennt worden war.

Im Museum kann man eine verkleinerte Nachbildung diese Grabs sehen, sowie etliche der Fundstücke bzw. zum Teil (nicht immer besonders gute) Kopien davon. Unter anderem von dem Kopf hatten wir das Original bereits im Historischen Museum in Sofia gesehen. Er zeichnet sich durch eine sehr lebensgetreue Darstellung aus, bis hin zur genauen Widergabe einer durch eine Jochbeinfraktur hervorgerufenen Gesichtsasymetrie, wie ich im Internet nachlesen konnte.

Seuthes III hat die Stadt Seuthopolis gegründet, deren Ruinen 1948 nur wenige Kilometer von Kasanlak entfernt beim Bau eines Staudamms entdeckt wurden. Leider hat das damalige kommunistische Regime den Stausee trotzdem fertig bauen lassen, sodaß dieser seltene Fund einer thrakischen Stadt heute unter Wasser steht. Allerdings ist ein Projekt in Gang, die Ruinen der Stadt mittels eines Betonrings trockenzulegen. Hierzu kann man ebenfalls Darstellungen im Museum sehen.

Neben den Ausstellungsstücken aus den verschiedenen historischen Epochen findet man auch in diesem Museum, wie in praktisch jedem anderen welcher Art auch immer, eine Ikonenausstellung, die wir uns aber erspart haben.

Bevor wir uns auf den Weg Richtung Sofia machen, setzen wir uns auf die Terrasse eines Kaffees, um die letzten Postkarten zu schreiben. Altersmäßig fallen wir etwas aus dem Publikum heraus, denn die Tische sind überwiegend mit den teils ziemlich aufgebretzelten Kids neureicher bulgarischer Bürger besetzt, die hier offenbar nach der Schule ein, zwei Gläser picheln. Die Seife auf dem Klo dieser Bar riecht wenig überraschend nach Rosen.

Schließlich bringen wir die Postkarten zur Post und machen uns dann auf die letzte Etappe unserer Bulgarienrundreise. Der Weg führt uns am südlichen Fuß des Zentralen Balkangebirges entlang, auf dessen höchsten Gipfeln in ca. 2.300 m Höhe auch zu dieser Jahreszeit noch etwas Schnee liegt. Das Balkangebirge ist zwar nicht ganz so hoch, wie die Rhodopen mit ihren ihren bis zu 2.900 m hohen Bergen, ist aber nicht weniger beeindruckend. Uns fällt auf, dass dort, wo sich in den Alpen Almen und Almhütten finden würden, absolut keine Bewirtschaftung stattfindet, anders als im Sredna Gora Gebirge, das von Süden her immer Näher an uns heranrückt, bis es mit dem Balkan zusammentrifft. Ein Blick auf die Landkarte liefert die Erklärung: Der gesamte Zentral-Balkan ist ein Nationalpark.

Dort, wo die beiden Gebirge sich schon sehr nahe kommen, fahren wir kommen wir an einer Ansammlung von Häusern vorbei, bei deren Anblick ich spontan zu Dirk sage, dass das wohl Gebäude sind, in denen selbst hier bestimmt schon seit Jahren niemand mehr lebt. Beim Näherkommen stellen wir jedoch fest, dass auch diese Bruchbuden noch Menschen Unterkunft gewähren, offensichtlich Sinti oder Roma. Ein Stück weiter drehen wir um und fahren noch mal vorbei, um das zu Photographieren. Wir denken uns, dass uns das sonst kein Mensch glauben wird. Erst zurück in Deutschland, bei Durchsicht der Photos, sehe ich, dass an vielen dieser „Häuser“ Satelitenschüsseln befestigt sind…

Mehrmals kommen wir auch unterwegs wieder an Polizeikontrollen vorbei, vor denen wir von den Entgegenkommenden Autos gewarnt werden. Und hier warnt wirklich jeder. Die Polizisten, die mit kreisenden Schlagstöcken am Straßenrand stehen und nach Augenmaß Autofahrer herauswinken, scheinen hier keinen Spaß zu verstehen. Uns ist das schon mehrfach aufgefallen.

Da in den Ortschaften vor Sofia kein Hotel zu finden ist, fahren wir bis in die Hauptstadt rein und suchen uns eines in einem Industriegebiet. Auch gut, so haben wir es morgen nicht mehr weit zum Flughafen und brauchen uns morgens nicht so zu beeilen. Leider gibt es dort mal kein WLAN auf den Zimmern, aber dafür eine abgetrennte Dusche… und die Handtücher duften intensiv nach Rosen. Das Abendessen müssen wir an einem von zwei kleinen Tischen in einer Ecke der Lobby einnehmen, da das Restaurant für eine Hochzeit am nächsten Tag vorbereitet wird. Es steht auch nur eine einzige Karte zur Verfügung, die uns kurzerhand abgenommen wird, als ein weiterer Gast auftaucht. Aber es schmeckt gut, und der Mann im Empfang, der uns auch bedient, ist sehr nett und gut gelaunt. Er fragt uns, ob er den Sender des schräg oberhalb von uns an der Wand ständig laufenden Fernsehers wechseln darf, als dort die Nachrichten beginnen. „Only talking talking…“. Da wir eh kein Wort verstehen, ist uns das egal.

Nach dem Frühstück am nächsten Morgen, das natürlich ebenfalls in der Lobby stattfindet, lassen wir uns von unserem Navi zum Flughafen führen. Es wählt den seiner Meinung nach schnellsten Weg, der jedoch durch einen Slum führt und selbst für Sofioter Verhältnisse so viele Schlaglöcher aufweist, dass wir nur sehr langsam vorankommen. Er führt uns aber noch einmal auf eindrückliche Weise vor Augen, wie groß die Armut in diesem Land noch ist. Ich würde am liebsten etliche Photos machen, aber es sind viele Leute unterwegs, da finden wir es etwas unhöflich, hier ständig zu knippsen. Also beschränke ich mich darauf, eine Szene mit zwei Straßenhunden einzufangen, bei der man auch das Drumherum ganz gut sieht.

Übrigens gibt es selbst hier noch lauter Sleeping Policemen, obwohl man auch so auf diesen Straßen kaum voran kommt. Für die Dinger haben die Bulgaren offensichtlich eine große Vorliebe.

Mit reichlich Vorlauf kommen wir beim Flughafen an und geben unser Auto wieder ab. Wir sind so früh, daß der LH-Schalter fürs Checkin noch gar nicht geöffnet hat. Als wir schließlich den Flieger besteigen, komme ich neben einem Mann zu sitzen, der ganz offensichtlich an Flugangst und Übelkeit leidet, regelmäßig stöhnt und heftig nach Angst riecht. Ich bin froh, daß der Flug nicht so lange dauert.

12.Tag Bulgarien: Veliko Tarnovo und Kasanlak

Der Wecker klingelte um 7.00h, Karin war schon früher wach, ich habe bis 7.20h gebraucht, um den Übergang in die Welt der Lebenden zu vollziehen. Ich brauche dringend Urlaub vom Urlaub!
Das schöne Hotel Real überraschte beim Frühstück. Für uns war ein Tisch in der Empfangshalle gedeckt, wo alle Möbel pompös-herrschaftlich gestylt sind. Selbst der Flachbildfernseher an der Wand hat einen goldenen Schmuckrahmen. Das Frühstück selber holte die Rezeptionistin, die übrigens wirklich gut Deutsch spricht, hinter ihrem Tresen hervor und wir bekommen jeder ein schon mit Salami, Käse und Gurken fertig belegtes, flaches und leider ziemlich trockenes Baguettebrötchen, ein merkwürdig gefülltes Croissant und einen Handteller-großen Keks mit Schokoladenüberzug. Dazu eine Tasse Nescafe-Kaffee aus einem Automaten und ein Glas "Orangensaft", der eine merkwürdig klare, gelb gefärbte Flüssigkeit ohne einen Hauch von Orangengeschmack war (kam aus einem Behälter, wie sie an Bars und Kiosken zu finden sind, die gekühlt und ständig gerührt werden). Karin bekam davon genau einen Schluck runter, ich habe ihn aufgrund der Trockenheit des Brötchens erst nach dem zweiten Schluck als ungenießbar abgeschrieben. Anschließend haben wir unsere Sachen gepackt und haben ausgecheckt. Dabei hat uns die Rezeptionistin in ein Gespräch verwickelt, denn, wie sich rausstellte, hat sie Germanistik studiert (das hier ist sicherlich nicht ihr Traumjob) und hat eine Zeit lang in Frankfurt gelebt, kannte sogar (vom Durchfahren) Marburg. Sie schwärmte uns dann von Abanassi vor, wo Todor Schiwkow eine Villa mit bestem Blick auf Veliko Tarnovo hatte und wo sich neben dem Fußballstar Ballakoff inzwischen auch viele Engländer, Holländer und Dänen Immobilien kaufen (nach der Aussage der Rezeptionistin aber auch im restlichen Umland von Veliko Tarnovo). Wir haben ihr versprochen, uns Abanassi noch anzusehen und haben uns gefaßt gemacht, bei unserem nächsten Besuch hier zu gestehen, daß es dazu dann doch nicht mehr gekommen ist. 😉
Trotzdem war das Hotel eine gute Wahl: Die Betten waren wirklich gut, das Bad trotz leicht schiefen Türen der Duschkabine für bulgarische Verhältnisse in dieser Preisklasse (30,- € für das Zimmer inkl. Frühstück) sehr komfortabel. Und das wichtigste ist, daß die Klimaanlage sehr effektiv und dabei noch halbwegs leise arbeitete und dazu noch gut zu bedienen war.
Wir haben dann das Gepäck ins Auto geladen und sind die Hauptstraße, an der das Hotel Real liegt, einfach weiter nach links gefahren und so direkt auf den Vorplatz des Festungshügels Zarevez gelangt. Dort mußten wir das Auto leider in der schon um 10h stark bruzzelnden Sonne parken und haben bei der menschlichen Parkuhr ein Ticket für 2h erworben. Aber noch vorher sind wir schon von einer Frau angesprochen worden, die schon an das Autofenster klopfte, als wir noch nicht richtig standen. Sie versuchte uns in ihr Souvenirgeschäft mit einer Postkarte zu locken, auf der groß der Festungshügel und in einem kleinen Kasten ein Photo des Geschäftes abgebildet war. Wir haben dankend abgelehnt, bekamen dann von ihr eine diesern Karten geschenkt, falls wir doch noch Souvenirs bräuchten.
Danach kam der Parkticketverkäufer nochmal und hat uns zweifach darauf hingewiesen, daß nach Ablauf der Zeit der Wagen mit einer Kralle blockiert wird.
Der Zugang zum Festungshügel erfolgt über eine wirklich lange Rampe, die direkt beim Parkatz beginnt. Diese Rampe ist so lang, daß auf ihr noch eine Art Vortor mit Zugbrücke erbaut wurde, das mit der restlichen Verteidigungsanlage nicht verbunden ist. Schon hier, nach ca. 50-100m läuft mir der Schweiß in Strömen den Rücken runter, obwohl der Weg noch nicht nennenswert angestiegen ist.
Hinter dem Vortor kam eine sehr kindliche Show mit mechanisch bewegten Historien-Puppen und dazu eine bulgarische Erklärung. Uns hat das – abgesehen davon, daß wir es eh nicht verstanden haben – ziemlich abgeschreckt und so sind wir trotz animierenden Rufen des Betreibers schnell weitergegangen. Dahinter ging es dann über eine recht steile und sich windende Treppe den Berg rauf. Kurz vor der Bergspitze, auf der in früheren Zeiten der Palast des Patriarchen stand und in den 80er Jahren eine Kirche neu gebaut wurde, haben wir im Schatten Pause gemacht und die noch kühlen Wasservorräte reduziert. Nachdem wir ein wenig getrocknet waren, sind wir dann in die Kirche und so ungefähr direkt wieder umgedreht. Unser Führer (Baedeker) nannte den Stil modern-nüchtern, ich würde eher sagen, der Stil erinnert an Mordor. Dustere Gemälde mit überlangen Figuren, mehr konnte ich nicht erkennen.
An die Kirche war – für die bulgarischen orthodoxen Kirchen laut Führer eher untypisch – ein Kirchturm angebaut. Diesen konnte man gegen Entrichtung von 2Lev pro Person mit einem Aufzug "erfahren". Dort oben hatte man dann wirklich einen guten Blick auf die Hügel von Veliko Tarnovo, den Fluß und sogar auf Abanassi und die ehemalige Villa vom Diktator Schiffkov. Wir haben in alle Richtungen Photos gemacht und uns vom Fahrstuhlführer auch nochmal vor dem Panorama der Stadt photographieren lassen. Dann sind wir vom Turm und dem Festungshügel abgestiegen, diesmal aber nicht über die steile Treppe, sondern den langen Weg am ehemaligen Zarenpalast und Wirtschaftsgebäuden vorbei. Leider gab es im ganzen komplex nur wenige Erklärungstafeln und viele davon enthielten dann auch noch redundante Informationen (immerhin konnten wir noch irgendwo lesen, daß es auf dem Festungshügel insgesamt mal 22 Kirchen gegeben hat!). Wir haben uns beim Abstieg darüber unterhalten, daß mit einer besseren Information der Besucher – nach Möglichkeit mit Zeichnungen/Modellen der rekonstruktierten Gebäude – für diese der Besuch wesentlich informativer und unterhaltsamer wäre.
Kurz vor dem Vortor kam uns ein anderes Besucherpaar entgegen und hatte eindeutig Eintrittskarten in der Hand. Wir hatten uns schon vorher gewundert, wieso nirgendwo Eintrittskarten verkauft wurden. Als wir ans Ende der Rampe kamen, wurden wir von einer jungen Frau angesprochen, die fragte, ob wir für ihre Doktorarbeit ein paar Fragen über unseren Festungsbesuch beantworten würden. Hinter ihr sahen wir ein Häuschen mit dem Schild Kaca und einen Mann, der offensichtlich Eintrittskarten kontrollierte. Direkt nach der Beendigung des Interviews kam er auf uns zu und wollte unsere Karten sehen. Wir konnten dann natürlich nur gestehen, daß wir keine hatten und haben lediglich die Karten nachträglich noch erwerben müssen. Danach erwartete uns ein heftig aufgeheiztes Auto, bei dem ich anfangs das Lenkrad kaum anfassen konnte. Unser Navi hat uns dann auf teils merkwürdig kleinen Straßen und durch Orte, wo sicherlich nicht häufig Touristen durchfahren, über Grabovo und den Shipka-Paß, wo wir nochmal Pause gemacht und was gegessen haben, nach Kasanlak gebracht. Die Fahrt über den Paß war mit einigen sehr nette Ausblicken verbunden.
Vor Kasanlak konnten wir noch einige (> 20) der Grabhügel rechts und links der Straße entdecken. Bei Ankunft in Kasanlak haben wir als erstes das gleich am Ortseingang befindliche Rosenmuseum besucht. Wie wir dort erfahren mußten, war die Rosenernte leider schon vorbei (sie endet mit dem Rosenfest in der ersten Juniwoche).
Als nächstes machten wir uns auf die Hotelsuche (das nervigste an der Art, wie wir gerade reisen). Das vom Führer empfohlene Hotel gibt es nicht mehr und nach längerem Kreisen im Zentrum waren nur teurer oder geschlossene Hotels zu finden (das genaue Gegenteil von Veliko Tarnovo). Wir sind dann zu einem Hotel etwas weiter vom Zentrum gefahren, das wir am Anfang bei der Suche nach dem vom Führer empfohlenen von Weitem gesehen hatten. Das vor dem Hotel parkende Auto mit Westerwälder Kennzeichen eines Windradherstellers war schon mal ermutigend. Das angebotene Zimmer lag zwar unter dem Dach, aber sonst erfüllte das Zimmer alle unsere Ansprüche (noch halbwegs günstig = 60Lev, Frühstück, zwar keine Klimaanlage, aber wenigstens Klimagerät und freies WLAN). Wir haben nur schnell unser Gepäck abgestellt und sind dann gleich aufgebrochen, um noch das berühmte Grab von Kasanlak zu besuchen, das von der UNESCO als Weltkulturerbe eingestuft worden ist.
Wir haben an der Rezeption nach dem Weg gefragt, aber die Rezeptionistin konnte so wenig Englisch, daß sie uns nur die Richtung angeben konnte. Wir sind mit dem Auto losgefahren, haben aber schon nach 50m umgedreht, denn es stellte sich heraus, daß unser Hotel in unmittelbarer Nähe des Grabes liegt. Nachdem wir unseren Wagen wieder am Hotel abgestellt haben, sind wir zu Fuß den Katzensprung zum Grab rüber. Da wir bislang nur Staatsoberhäupter in spe und keine berühmten Archäologen sind, konnten wir uns nicht das Orginalgrab, sondern nur die Kopie besuchen. Aber auch die war mehr als beeindruckend. Die Bemalung innen war wirklich irre und für ihre Zeit wirklich sensationell: so wird zum Beispiel Dreidimensionalität durch die Nutzung von Licht und Schatten hervorgerufen, was ansonsten in der Malerei verloren gegangen und erst ungefähr im 17.Jahrhundert wiedererfunden worden ist. Besonders die Zeichnung einiger Pferde war super gelungen und jedes Pferd individuell gezeichnet.
Nach der ausgiebigen Besichtigung des Grabes haben wir uns erstmal im Hotel geduscht und frisch gemacht. Wir sind zum Essen in die Fußgängerzone im Zentrum gefahren. Wir hatten erst mal wieder Shopska-Salat und Karin dann eine Geflügelrolle mit Pilzen und anderem Gemüse gefüllt und ich hatte Pork Steak Hunters style, was nicht unserer Jägersauce entsprach, sondern einer wilden Gemüsemischung aus Gurken, Möhren, Pilzen, Schinken und noch einigem mehr. Dazu gab es breaded potatoes with cheese (in Bulgarien sehr gebräuchlich: Pommes mit darüber geriebenem Feta-Käse).
Die Nacht im Hotel stellte sich dann als sehr warm heraus, denn sobald man das laut lärmende Klimagerät ausschaltete, wurde es im Zimmer fast augenblicklich deutlich wärmer – für vernünftiges Schlafen eigentlich zu warm.
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11.Tag in Bulgarien: Madara, Veliko Tarnovo

Die Tage am Schwarzen Meer sind vorbei, ab heute geht es wieder zurück in die generelle Richtung Sofia. Im Frühstücksraum kommt Dirk der Angestellte, der gestern das Brot nicht toasten wollte, direkt freudestrahlend entgegen: "We will toast your bread!" 🙂
Nach dem Frühstück packen wir fertig, ich bezahle das Handtuch, daß ich versehentlich an einer Lampe angekokelt habe, dann verabschieden wir uns und machen uns auf den Weg.

Die Fahrt nach Madara, genauer: zu dem Archäologischen Komplex von Madara dauert nicht sehr lange. An der Autobahn gibt es eine Ausschilderung, danach sind die Hinweise auf diese wichtige archäologische Stätte vergleichsweise dürftig.
Das Bedeutenste an Madara ist das Felsenrelief des Reiters, von dem wir ja schon eine Kopie in Sofia gesehen haben. Die ersten Stationen unseres Rundwegs sind jedoch einige Höhlen, die bereits im Neolithikum bewohnt wurden. Eine der Höhlen, die eher eine überhängende Felswand ist und in der man Zeugnisse menschlicher Nutzung aus thrakischer Zeit bis hin zu türkischen Tonpfeifen gefunden hat, wird heute wegen ihrer Akkustik gelegentlich für klassische Konzerte genutzt. Wir kommen  hier mit einer kleinen Gruppe Deutscher und Bulgaren ins Gespräch und photographieren uns gegenseitig. (Die – sehr gut Deutsch sprechende – Bulgarin findet es mutig von uns, so alleine durch Bulgarien zu reisen. Wir fragen uns, warum eigentlich, die anderen sind ja offensichtlich auch privat in einer nur kleinen Gruppe unterwegs.)
Danach führt der Weg weiter zu besagtem Felsenrelief eines Reiters in annähernd Lebensgröße, das dort, in 20 Metern Höhe, vermutlich Anfang des 8. Jahrhunderts in die steile Felswand gemeißelt wurde. Dieses einzige derartige frühmittelalterliche Monumentalrelief Europas, das früher überputzt und sicherlich farbig gestaltet war, wurde vermutlich zur Ehrung des Khans Tervel gefertigt, der Anfang des 8. Jahrhunderts erfolgreich für die Festigung und Ausweitung des Ersten Bulgarischen Reiches gekämpft hatte. Während ich das aus unserem Baedecker vortrage, liest der Mann drüben auf der anderen Bank seiner Frau bestimmt gerade aus dem Baedecker, den er in der Hand hält, genau die gleiche Stelle vor. 🙂
Das Relief ist hier übrigens besser zu sehen, als in der Kopie in Sofia.

Die dritte Station, eine Festung hoch oben auf den Felsen oberhalb des Reiters, deren Anfänge im 5. Jahrhundert liegen, besucht Dirk alleine, weil ich die zahllosen ziemlich hohen Stufen meinem Arthrosegelenk nicht antun will. Der Marsch zum Aladscha-Kloster gestern und zurück hat schon gereicht. Ich warte solange in ziemlich dürftigem Schatten, der nur bedingt vor der sengenden Sonne schützt, schreibe diesen Text bis zu dieser Stelle und leide in Gedanken mit denjenigen mit, die sich bei diesen Temperaturen da hoch quälen. Der Ausblick über das Dorf Madara und die Donau-Ebene ist auch von der Stelle, bis zu der ich mitgekommen bin, schon ziemlich klasse. (Brilliantes Timing: In diesem Moment kommt Dirk wieder hier unten an. Er sagt, die Kraxelei hat sich gelohnt, bin gespannt auf die Photos.)
Den Abschluß des Rundgangs bilden einige heidnische Kultstätten und Fundamentreste u. a. einer Basilika, die über einer dieser Stätten errichtet wurde, aber wir können nicht so richtig erkennen, was was ist. Einer Legende zufolge kann man Energie aufladen, wenn man bei einer der Kultstätten im Morgengrauen barfuß durchs Gras läuft, wir beschließen aber, trotzdem heute weiterzufahren. 🙂
Nach kurzem überlegen entscheiden wir, nicht direkt nach Kasanlak zu fahren, sondern erst Veliko Tarnovo, der vierten Hauptstadt Bulgariens im Laufe seiner bewegten Geschichte, einen Besuch abzustatten und uns dort ein Hotel zu suchen. Sie soll eine der reizvollsten Städte Bulgariens sein, und auf einem ihrer drei Hügel sollen substantielle Reste einer mittelalterliche Feste erhalten sein.

Auf der Fahrt dorthin sehen wir immer wieder Kühe, auch mal einen Esel, die weder eingezäunt noch angebunden und unbeaufsichtigt direkt neben der Straße grasen – und zwar durchaus auch an stärker befahrenen Landstraßen!
Unser Navi führt uns über zum Teil etwas abenteuerliche Straßen. Einmal sitzen ein Stück jenseits eines Dorfes ein paar Leute im Schatten eines Baumes – mitten auf unserer Seite der Fahrbahn! Offenbar fahren hier nicht sehr viele Wagen entlang. Bald wissen wir auch, warum: kurz darauf ist die Fahrbahn dermaßen durchlöchert, daß wir nur noch Schlangenlinien fahren können – und zwar gaaaanz langsam. Schrittempo ist fast schon zu viel.
Auch die weiteren Straßen werden wieder von den üblichen Schlaglöchern geziert, die aber teilweise im Spiel von Licht und Schatten, das die Sonne durch die Äste der am Straßenrand stehenden Bäume auf den Asphalt wirft, praktisch nicht zu erkennen sind, was dem Auto ein paar heftige Schläge einträgt.
Einer der Höhepunkte auf dieser Fahrt ist ein Dorf, das mehrere Storchenpaare und ihren Nachwuchs beherbergt. Alleine an der Straße, auf der wir den Ort passieren, sehen wir auf den Masten der Straßenbeleuchtung vier Nester mit den fast ausgewachsenen Jungvögeln und manchmal auch einem Elternteil.
Und wieder fällt uns auf, wie wenige alte Burgen und Festungen es in Bulgarien gibt im Vergleich zu Deutschland. Dirk kommt der einleuchtend klingende Gedanke, daß das vermutlich an der ein halbes Jahrtausend währenden Zugehörigkeit zum riesigen, zentral regierten osmanischen Reich liegt, die ja bis zum Ende des 19. Jahrhunderts währte. Hier brauchte nicht jedes Kleinfürstentum seine eigenen Festen für die Verteidigung gegen die benachbarten anderen Kleinfürstentümer, wie es in deutschen Landen lange Zeit der Fall war.

Auf dem letzten Teil der Strecke nehmen wir ein junges Paar mit, das mit uns bis Tarnovo fährt, um von da noch die 110 km bis Russe weiter zu trampen. Die beiden sind sehr nett, wobei nur er spricht, weil sie sich wegen ihres Englisch nicht traut. Wir erzählen ein bißchen, wo wir gewesen sind, er gibt uns ein paar Tips, was wir anschauen sollten und wie man richtig danke sagt :-), und wir unterhalten über andere Länder, in denen wir gewesen sind. Er ist Kontrabass-Spieler und hat in Tarnovo Musik studiert, wie sich herausstellt.

In Tarnovo setzen wir die beiden ab und versuchen dann, das Hostel zu finden, daß der junge Mann uns empfohlen hat, aber er wußte den Namen nicht mehr, und in der fraglichen Straße reiht sich ein Hotel an das nächste. Das vom Baedecker empfohlene günstige Hotel liegt in einem Viertel, in dem uns die Wahrscheinlichkeit, unser Auto am nächsten Tag heil wiederzufinden, nicht groß genug scheint. Wir entscheiden uns schließlich für das "Hotel Real", das die wichtigen Vorzüge Klimaanlage, Frühstück und eine abgetrennte Duschkabine (!) bietet. 🙂 Außerdem ist es ganz neu und hat W-LAN, aber letzteres hatten, bis auf unsere Unterkunft in Bansko, alle Hotels. Und es liegt absolut zentral. Eine endgültige Beurteilung gibt es morgen von Dirk, wenn wir gefrühstückt haben.
Was freies W-LAN angeht, ist Bulgarien übrigens noch ein Paradies. Wir haben bisher in den meisten Restaurants und in vielen Straßen ein offenes W-LAN vorgefunden.
Nachdem wir eingecheckt und uns geduscht haben, gehen wir noch durch ein paar Straßen der Altstadt, die teilweise – für bulgarische Verhältnisse – ziemlich gut saniert sind. Besonders hübsch ist die "Samovodska Tscharschija", die älteste Handelsstraße der Stadt, in der man tagsüber Werkstätten und Geschäfte des 19. Jahrhunderts besichtigen kann. Jetzt allerdings sind die Läden alle schon geschlossen, und morgen werden wir vermutlich leider auch nicht mehr dazu kommen. Insgesamt gewinnen wir heute Abend den Eindruck einer Stadt mit einem sehr lebendigen Flair, die uns von allen bisher besuchten am besten gefällt. Hier wollen wir bei Gelegenheit mehr Zeit verbringen.
Wir suchen uns für unser Abendessen ein Lokal, wo man draußen sitzen kann. Dort entdecken wir auch endlich die  Pflanze, deren intensiver Duft uns schon in Plovdiv an allen Ecken und Enden aufgefallen war, ohne daß wir den Verursacher identifizieren konnten: Es handelt sich um eine Linde, deren Blüten optisch so unauffällig sind (Lindenblüte eben), daß man sie nicht automatisch mit diesem alles übertönenden Duft in Verbindung bringt.
Danach ist es Zeit fürs Bett, denn wir sind beide müde.

10.Tag Bulgarien: Aladscha-Kloster und Baden im Schwarzen Meer

Heute ist für Karin und mich ein wichtiger Tag, nämlich der 20. Jahrestag unserer Beziehung. Für mich definitiv wichtiger als der Hochzeitstag.
Dennoch klingelte der Wecker um 7.30h und wir waren schon um 8.30h beim Frühstück. Der Frühstücksbereich war heute sehr viel belebter als in den ersten 2 Tagen, als nur 2 oder 3 andere Leute zu sehen waren. Heute dagegen war die gestern eingetroffene georgische Kinder-Reisegruppe auch gerade am frühstücken.
Was außer bislang beim Frühstücken ungewohntem Rummel vor allem bedeutete, daß der Toaster abgebaut und entfernt worden war, weil die Reise- und/oder Hotelleitung befürchten, daß sich jemand daran verletzen könnte. Da sich aber das Brot hier, natürlich reines Weißbrot, ungetoastet kaum genießen läßt, habe ich mir 4 Scheiben auf einen Teller getan und habe einen der Hotelangestellten, der sich um das Frühstücksbuffet kümmert, gebeten, das Brot für mich in der Küche zu toasten. Und hier bin ich das erste mal an die Grenzen der bulgarischen Freundlichkeit gestoßen: ich bekam nämlich als Anwort: No Sir, not possible today because of the children. Als ich daraufhin nachhakte, ob sie nicht doch in der Küche die Scheiben toasten könnten, kriegte ich wieder eine Absage. Das ging dann noch 1 oder 2 Runden so weiter, bis ein Kollege dazu kam, bei dem ich zuvor den Kaffee geordert hatte. Dieser korrigierte dann sofort seinen Kollegen und meinte, selbstverständlich sei das möglich, ich solle mich schon mal setzen, er würde mir die getoasteten Scheiben gleich an den Platz bringen.
Nach dem Frühstück haben wir uns beeilt, uns abmarschbereit zu machen, da wir planten, vormittags das Aladscha-Kloster zu besuchen, nachmittags das Archäologische Museum in Varna und dazwischen nach Möglichkeit auch noch wenigstens kurz im Schwarzen Meer schwimmen zu gehen.
Als erstes sind wir deshalb zu dem Informationsbüro des hinter dem Goldstrand liegenden Naturparks und haben für 3 Lev eine Wanderkarte des Gebiets erworben. Eigentlich wollten wir den kompletten Weg bis zum Kloster laufen, da wir im Hotel gesagt bekommen hatten, daß man ca. 1h bis zum Kloster läuft. Auf der Wanderkarte standen dann aber wesentlich längere Angaben. Und so haben wir uns entschieden, einen Teil erstmal mit dem Auto zu fahren, dieses dann auf einem offiziellen Parkplatz stehen zu lassen und für den Hinweg die Route mit der Angabe 80min, weil hier der große Anstieg gleich am Anfang ist, und für den Rückweg die um 10min längere Route zu nehmen. Der Weg war für bulgarische Verhältnisse in einem 5* Zustand: vernünftig breit angelegt, die Pflanzen zu beiden Seiten ordentlich zurückgeschnitten und der Weg zu beiden Seiten mit Holzstangen abgegrenzt. Der Wald ging dann recht schnell in eine grüne Hölle über, in der die Bäume teilweise komplett mit Lianen-ähnlichen Schlingpflanzen verhüllt sind. Und nach und nach wird der Zustand des Weges auch nicht mehr ganz so mitteleuropäisch, aber er ist immer erkennbar und gangbar. Nach einer Viertelstunde ereichen wir eine Stelle, an der sich zwei Wanderrouten trennen und wo ein Schild mit Zeitangaben für die Strecken angebracht ist. Hier lesen wir, daß für die von uns bislang zurückgelegte Strecke tatsächlich 15min veranschlagt werden. Wir gehen weiter und der Weg führt ziemlich steil bergauf. Nach kurzer Zeit merken wir, daß wir in einen Mückenschwarm geraten sind und das da kein Armwedeln Aussicht auf Abhilfe bringt. Wir erhöhen deshalb unser Tempo nach Möglichkeit und schaffen es, die Mücken erstmal abzuschütteln. Aber nach ein paar Metern mit wieder normalem Lauftempo werden wir wieder von Mücken heftigst umschwärmt und wir fallen wieder in den strammeren Schritt. Wir merken, daß sich immer eine kurze Strecke Mückengebiet mit einer ohne oder mit sehr wenig Mücken abwechselt. Letztere nutzen wir, um zwischendurch schnell mal ein paar Schlucke Wasser zu trinken. Wir sind inzwischen beide mehr als klatschnaß geschwitzt, obwohl es im Wald eigentlich halbwegs erträglich kühl ist (aber die Route führt ja auch bergauf). Irgendwann erreichen wir das Kloster und sind erstaunt, wie schnell wir die mit eigentlich ~80min angesetzte Strecke erwandert haben (oder wohl eher: vor Mücken erflüchtet haben): 52min!
Das Kloster macht auf den ersten Blick fast einen Park ähnlichen Eindruck: englischer Rasen rechts und links, der von automatischen Rasensprengern berieselt wird. Dahinter ist die Felswand sichtbar, in der das Kloster war. Vor der Felswand steht eine große Zuschauertribüne, anscheinend gibt es hier Open Air Vorführungen mit dem Felsenkloster als Kulisse. In die beiden Etagen des Felsenklosters kommt man über eine hohe, vorgebaute Metalltreppe. Die Mönche haben keine echten Höhlen in der Felswand vorgefunden, sondern eher Vorsprünge, die maximal 3-4m tief waren, teilweise bei den Mönchszellen auch nur halb so tief. Diese Vorsprünge waren dann zum Teil nach vorne hin zugemauert und innerhalb des Klosters Zwischenwände teilweise aus Stein, teilweise aus Holz ausgeführt. Da das Kloster schon im 16. oder 17. Jahrhundert verlassen wurde und dann verfallen ist, sind inzwischen nur noch sehr wenige Reste der Mauern und von der Holzkonstruktion nur noch die im Fels ausgehauenen Auflagepunkte zu sehen. Lediglich in der ehemaligen Klosterkapelle in der oberen Etage sind spärliche Reste der Wandbemalung zu erkennen. In die Kapelle kommt man aber leider nicht rein, sondern man kann nur durch das Gitter eines kleinen Fensters in der Tür reinsehen. Vermutlich wären sonst die Reste der Wandbemalung auch ganz schnell weg. Es gab z.B. auch Schilder, auf denen die Besucher gebeten wurden, weder Münzen noch kleine Zettel mit Gebeten oder Fürbitten in die Felsritzen zu stecken, da diese sonst noch schneller erodierten. Insgesamt war zwar nicht mehr sehr viel vom Kloster übrig, aber der Besuch hatte sich dennoch gelohnt. Witzig war auch noch die russische Familie: Er mit Versace T-Shirt und mehr als offensichtlich ebenso teuren Jeans und Sandalen und so sonnenbankgebräunt, daß Dermatologen vermutlich Dollarzeichen in den Augen hätten, seine Frau und Tochter ebenfalls mit Klamotten von Nobelmarken, dazu passenden Handtaschen und vor allem mit für Besichtigungen im Gelände wirklich passendem Schuhwerk! Die Mutter mit Luxus-Flipflops mit Strassteinen und die Tochter mit Waffenschein pflichtigen Highheels. Wir haben noch der kleinen Ausstellung einen kurzen Besuch abgestattet und haben uns dann auf der anderen Wanderroute auf einen zügigen Heimweg gemacht, um den Tag noch sinnvoll nutzen zu können. Die andere (blaue) Route war gleich am Anfang sehr steil, aber die erste Hälfte war durchgehend gepflastert (was aber schon einige Jahre alt war), das Gehen auf diesem Weg war nicht so angenehm wie auf der anderen (gelben) Route, da man da auf dem größtenteils federndem Waldboden läuft. Den Rückweg haben wir in exakt der gleichen Zeit (52min) zurückgelegt wie den Hinweg. Insgesamt haben wir also statt der veranschlagten 170min nur ~105min gebraucht. :P

Als wir wieder im Hotel waren, war es schon 13.30h und wir rechneten uns aus, daß nach dem Frischmachen, nach Varna reinfahren und Parkplatzsuchen kaum noch Zeit für das Archäologische Museum bliebe, da dieses schon um 17h wieder schließt. Eine kurze Internetrecherche erbrachte, daß für das Museum einiges an Zeit erforderlich ist, da dort nicht nur der älteste bislang gefundene Goldschatz sondern noch einiges mehr besichtigt werden kann. Besonders mir ist es schwer gefallen, auf das Museum zu verzichten. Da aber eigentlich klar ist, daß wir nochmal wiederkommen werden, ist der Besuch nur aufgeschoben und keinesfalls aufgehoben! Statt des Museumsbesuchs hatten wir jetzt wenigstens ausreichend Zeit, um noch an den Goldstrand zu gehen und im Schwarzen Meer zu baden. Trotzdem bin ich aber vorher schnell nochmal im Hotel in den Pool gesprungen, weil ich mich so verschwitzt und klebrig gefühlt habe. Anschließend sind wir dann direkt runter an den Strand gegangen und wir waren beide echt neugierig, was uns erwarten würde. Nachdem wir einen Weg durch die beiden Hotelreihen hindurch gefunden hatten, standen wir auf der Promenade. Sowohl rechts als auch links war nichts anderes als Buden und Fresstände zu erkennen. Glücklicherweise gab es gleich an der stelle, an der wir auf die Promenade gestoßen waren einen Durchgang zum Strand, den wir auch sofort genutzt haben. Am Strand angekommen sahen wir rechts und links erstmal einen langen 3 oder 4-reihigen Abschnitt mit Sonnenschirmen und Liegen zum Mieten. Für uns beide war es das erste Erlebnis eines Massenstrandes a la Mallorca. Wir nahmen unsere Sandalen in die Hand und haben uns ein freies Plätzchen daneben augesucht. Karin ist dann direkt ins Meer gegangen während ich auf die Wertsachen aufgepaßt habe. Anschließend war ich dann auch im Wasser, aber alleine macht das natürlich nicht soviel Spaß. Der Meeresboden fällt sehr flach ab, es gab kaum Algen und ich habe keinerlei Quallen gesehen. Der Wellengang war merklich, aber hätte gerne noch ein wenig stärker sein können. Insgesamt ein Strand, der gefällt, aber nur außerhalb der Hauptsaison. Wenn sich hier dann zigmal mehr Leute tummeln, ist es sicherlich schnell zu Ende mit dem Spaßfaktor. Nachdem auch ich wieder aus dem Wasser und halbwegs getrocknet war, haben wir uns auf der Promenade nach etwas Eßbarem umgesehen, da wir beide seit dem Frühstück, also knapp 7h, nichts mehr gegessen hatten. Wir haben uns dann nach einer ausgiebigen Begutachtung aller Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme für einen Döner entschieden, der allerdings ungefahr deutsches Preisniveau hatte (6Lev = ~3€). Alle anderen Freßbuden (die erstaunlicherweise eher in der Unterzahl waren) schreckten entweder durch ihr Angebot (Schnitzel mit Bier 12Lev) oder Aufmachung ab. Und wir wollten ja erstmal nur eine Kleinigkeit, um den schlimmsten Hunger zu stillen, bis wir Abends dann richtig essen gehen. Nach der Stärkung durch den Döner sind wir auf der Promenade noch ein gutes Stück weitergegangen. Irgendwann wurden es uns aber zu blöd, ständig die Animierer abzuwimmeln, und wir sind wieder umgedreht. Nachdem wir auch auf dem Rückweg kein Lokal gefunden haben, was uns für ein Abendessen ansprechend genug erscheint, und Karin auch nicht mehr nach Varna reinfahren will, weil ihr einerseits vom Laufen heute der Knöchel weh tat und sie auch nicht erst noch länger suchen wollte, sind wir wieder zu dem gleichen Lokal in der Nachbarschaft gegangen, bei dem wir schon die letzten beiden Abende waren. Karin wählte zunächst das Schweine Filetsteak, daß ich am Abend zuvor hatte, ließ sich dann aber vom Wirt Michael zu der Geflügelvariante überreden. Ich ließ mir den Haiduken-Spieß schmecken. Als Vorspeise haben wir jeder einen Schopska-Salat genossen und zum Hauptgericht gab es zusätzlich wieder das leckere selbstgemachte Fladenbrot und dazu die Knoblauchsauce. Nachdem Essen haben wir noch kurz den nächsten Tag besprochen und geplant. Heute Abend waren wir auch nicht die letzten Gäste, so daß wir ohne Zaunpfahl-Verabschiedung aufgebrochen sind. Danach haben wir beide noch ein wenig gelesen bzw. an diesem Tagebuch weitergeschrieben und schon mal ein wenig eingepackt.

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9.Tag Bulgarien: Steinerner Wald und Varna

Wir stehen dieses Mal wieder früher auf, um etwas mehr vom Frühstücksbuffet zu bekommen, aber es ist ähnlich geplündert wie gestern. Offensichtlich gehören die meisten anderen Gäste hier zur Fraktion der Sehr-Früh-Aufsteher. Dafür leistet uns sowohl am Buffet als auch bei Tisch ein Spatz Gesellschaft und nascht ein wenig von Dirks Teller. 🙂

Im Anschluß springt Dirk noch mal kurz in den Pool (ich habe heute keinen Lust sondern lese lieber noch ein bischen) und macht sich dann daran, den platten Reifen gegen das Notrad zu wechseln. Allerdings kommt er gar nicht groß dazu, denn der Hotelier kommt sofort hinzu und nimmt sich der Sache an. Wie sich herausstellt, steckt ein großes Metallstück im Reifen. "Souvenir from Bulgarien roads", meint unser Gastgeber und weist auf den Übeltäter. Dann grinst er breit: "You drive too slow!"

Mit neu bereiftem Wagen fahren wir zum Flughafen außerhalb von Varna, wo sich die Filiale von Europcar befindet. Eine der beiden Mitarbeiterinnen führt uns zu einer Werkstatt voraus, mit der Europcar offenbar zusammenarbeitet, erklärt einem der Mechaniker, worum es geht und fährt ohne ein weiteres Wort direkt weiter – nicht Richtung Flughafen. Es wäre ganz hilfreich gewesen, wenn sie noch einen Moment geblieben wäre, bis tatsächlich alles geklärt ist, aber wir kommen schließlich auch so klar. Vermutlich will sie die Gelegenheit nutzen, schnell etwas zu erledigen, was verständlich ist, wenn sie auch 12 Sunden arbeitet wie ihr Kollege am Flughafen in Sofia.
Die Werkstatt ist eine von vielen, die sich an einer Seite einer von Wohnsilos umgebenen, staubigen und löchrigen Straße aneinander reihen. Was nicht repariert werden kann, kommt auf einen der Schrottplätze, die die gegenüberliegende Straßenseite zieren. Die andere Hälfte Straße wird links und rechts von Gebrauchtwagenhändlern gesäumt. So etwas haben wir vor ein paar Tagen schon gesehen: Da sind wir durch eine Ortschaft gekommen, deren Durchgangsstraße praktisch nur an Autohändlern vorbeiführte. Was man in einer solchen Umgebung normalerweise als letztes erwarten würde, sind Luxusschlitten wie der Jaguar, der vor uns auf der Hebebühne steht. Allerdings treffen wir in diesem Land schon die ganze Zeit auch in den heruntergekommensten Vierteln und Dörfern auf Autos, die ein Vermögen wert sind – teilweise von Jüngelchen gefahren, die noch nicht allzulange im Besitz eines Führerscheins sein können.

Unser Reifen wird ruckzuck repariert und wieder angeschraubt. Der ganze Spaß kostet gerade mal 30,- Leva (15,- €). Da wir sowieso schon in der richtigen Richtung unterwegs sind, fahren wir weiter zum "Steinernen Wald" (Pobitite Kamani) – oder versuchen es zumindest. Unser Navi ist nämlich mal wieder ein wenig verwirrt, so daß wir eine Weile auf teilweise abenteuerlich durchlöcherten Straßen hin und her kreuzen, ehe wir – die Anweisungen des Navis einfach strikt ignorierend – auf die richtige Bundesstraße gelangen, die uns Richtung Westen aus dem Randbezirk Varnas herausführt. Wieder einmal staunen wir dabei, mit welchem Tempo die Einheimischen um die Schlaglöcher herum, bzw. einfach durch sie hinndurch fahren.
Die Ansammlung steinerner, hohler Säulen ist schon beeindruckend und gibt ein paar schöne Motive für den Photoapparat ab. Bisher ist nicht geklärt, wie sie damals im Meer entstanden sind.

Unser nächster Weg führt uns in Varnas Innenstadt, wo wir frisches Geld ziehen und ein bischen einkaufen wollen. Als Zielort geben wir dem Navi "Varna Zentrum" vor, aber wir landen irgendwo daneben. Ein Navigationsgerät hilft schon sehr in einem Land, in dem die Straßenschilder nur schwer bis gar nicht im Vorbeifahren entzifferbar sind, aber man kann sich nicht immer darauf verlassen. Manchmal führt es sonst sehr lustige Wege mit einem.

Varna ist wirklich häßlich, anders kann man es nicht nennen. Die ganze Stadt besteht aus grauen Kästen und Straßenzügen in unterschiedlichen Stadien des Verfalls. Auch die anderen Städte, die wir besucht haben, bestehen überwiegend daraus. Aber sie haben eben auch eine Altstadt zu bieten. Das fehlt hier, bis auf ein paar eingestreute alte Gebäude, praktisch völlig. Schließlich finden wir aber doch noch ein Zentrum – nur leider keinen Parkplatz. Eine ganze Weile kurven wir – zusammen mit jede Menge anderen Parkplatzsuchenden – durch enge Straßen, aber keine Chance. Doch haben wir immerhin schon mal das Archäologische Museum entdeckt, daß wir noch besuchen wollen. Da müssen wir morgen nur noch herausfinden, wo und wie man dort parkt.

Also suchen wir uns statt dessen weiter zum Stadtrand hin eine Mall mit Parkgarage, kümmern uns um unseren Hunger und machen unsere Besorgungen und fahren dann zurück ins Hotel (in recht flottem Tempo – Dirk scheint sich die Bemerkung des Hotelbesitzers heute Morgen zu Herzen genommen zu haben :-)). Dort gehen wir noch ein bischen schwimmen ehe wir wie am Vortag den Abend bei unserem Lieblingswirt Michael beschließen und dabei ein paar Postkarten schreiben.

8.Tag Bulgarien: Goldstrand bei Varna

Gestern Abend haben wir uns entschieden, es heute ganz ruhig angehen zu lassen.
So sind wir erst um 8.30h aufgestanden und waren um kurz nach 9h zum Frühstück unten.
Das Frühstück war ziemlich enttäuschend, vermutlich kommen sehr selten mittel- oder nordeuropäische Gäste ins Hotel Horizont: es gab Weißbrot zum Toasten, einen schlichten in dicke Dreiecke geschnittenen Käse, eine ebenfalls recht dick geschnittene Mortadella-ähnlich aussehende Wurst, in kleinere Stücke geschnittene Fleischwürste, kleine flache und ebenfalls rundliche Fischstücke, wieder die tollen Gurken (als Stücke und leider nach einer gewissen Zeit am Frühstücksbuffet nicht mehr ganz so knackig), eine recht leckere aber keiner speziellen Obstsorte zuordnenbare Marmelade und mehrere Kuchen (u.a. Industrie Marmorkuchen). Als einziges Getränk gab es an Pfefferminztee erinnernden Tee.
Nach dem Frühstück haben wir uns erstmal wieder aufs Zimmer zurückgezogen und nach der restlichen Morgentoilette haben wir noch gelesen, ein wenig gesurft und beide für diese Berichte geschrieben (ich war mit dem Tag in Plovdiv noch nicht fertig). Irgendwann haben wir dann angefangen, die nächsten Tage zu besprechen und sind übereingekommen, daß wir heute noch das Höhlenkloster Aladscha besichtigen wollen, das sich ganz in der Nähe befindet. Laut Führer braucht man für einen hauptsächlich durch Wald führenden Weg ca. 1h. Das archäeologische Museum in Varna wollen wir Dienstag besuchen, da es dann hoffentlich weniger gut besucht ist als am Wochenende (Montags bleibt es geschlossen). Als wir endlich fertig zum Aufbruch waren und an der Rezeption nach dem Weg fragen wollten, kam die Hotelbesitzerin und informierte uns, daß an unserem Wagen ein Reifen platt sei.
Da wir den Wagen mit Vollkasko ohne selbstbeteiligung gemietet haben, konnten wir ganz ruhig bleiben und die notwendigen Aktionen auf später verschieben. So sind wir erstmal aufgebrochen. Wir hatten allerdings an der Rezeption nur eine ganz grobe schematische Karte gesehen, auf der der Weg zum Kloster in ca. 1km Entfernung in Richtung Varna eingezeichnet war. Der Hotelbesitzer hatte uns noch eine Karte angeboten, die allerdings von 1994 war und auf der wir nicht mal unseren Standpunkt und das Hotel Horizont wiederfanden und die wir deshalb nicht mitgenommen hatten. Gegenüber auf der anderen Straßenseite der Straße von Varna nach Albena gibt es ein Büro, das Informationen zur Region anbietet, denn die Gegend hier ist wohl als so eine Art Schutzgebiet/Nationalpark deklariert. Dort war aber heute am Sonntag geschlossen. Wir haben es dann auf gut Glück probiert und dachten auch eigentlich, daß es ja nicht allzu schwer sein könne, den Weg zu finden. Es gab auch ungefähr am beschriebenen Punkt einen Fußgängerüberweg über die Straße und direkt dort einen Weg in den direkt an die Straße grenzenden Wald. Nur stellte es sich nach wenigen Metern heraus, daß wir zu einigen alten, noch aus der Vorwendezeit stammenden Häusern und Grundstücken gelangten, die im Wald und von der Straße aus nicht einsehbar liegen, und der Weg endete dann auch sehr bald. Da es da dann schon nach 15.40h spät war, das Kloster nur bis 17.00h geöffnet hat und man ca. 1h dahin braucht, haben wir dann beschlossen, den Ausflug dahin auf einen anderen Tag zu verschieben, uns erstmal um den kaputten Reifen zu kümmern und lieber noch schwimmen zu gehen.
Zurück im Hotel angelangt (einen Teil der Strecke hatten wir inzwischen 4mal zurückgelegt und genau da roch es natürlich ziemlich nach Kloake) habe ich die SIM-Karte des Handy gewechselt und bei Europecar in Varna angerufen. Nachdem ich klar machen konnte, daß die Reparatur Zeit bis Montag hat, wurde mir angeboten, morgen am Flughafen in Varna vorbeizukommen und dort wieder einen normalen Reifen aufziehen zu lassen. Andernfalls hätte ich heute selber eine Werkstatt mit Sonntagsservice organisieren müssen. Kaum auszudenken, wenn uns der Reifen mitten im Gebirge kaputt gegangen wäre, es ist schon ziemliches Glück, daß es in direkter Nähe zu einer der 3 Filialen (Sofia, Burgas und Varna) von Europcar in Bulgarien passiert ist. Danach sind wir dann erstmal in den Hotelpool schwimmen gegangen. Aufgrund unserer Erfahrung, daß schon kurz vor 22h im Hotel die Küche des Restaurants geschlossen war, habe ich das Aufziehen des Notrades verschoben und wir sind nach dem Schwimmen erstmal schnell uns umziehen gegangen, um dann direkt Essen zu gehen. Das sollte eigentlich direkt hier im Hotel erfolgen, aber auch heute hatten wir wieder Pech, denn wie uns mit Bedauern mitgeteilt wurde, hatte die Küche schon um 19.30h geschlossen. Wir sind deshalb wieder wie gestern am nächsten Hotel vorbei zu einem Restaurant, das uns die eigenen Hoteliers gestern empfohlen hatten und dessen Wirt auf uns gestern einen netten Eindruck gemacht hatte (er hatte uns z.B. damit den Mund wässrig gemacht, daß sie ihr Brot selber im Holzkohleofen backen würden). Und wir wurden auch nicht enttäuscht: als erstes wählten wir einen Gurkensalat mit fast so knackigen Gurken wie gestern Abend, ich habe dann noch einen kleinen Zwischengang in Form einer Bohnensuppe eingeschoben und dann als Hauptgang Karin gebackenen Fisch und ich 4 Kebabche (im Prinzip deutlich größere Cevapcici vom Grill), dazu hatten wir beide das selbstgebackene Brot und Knoblauchsauce und Karin zusätzlich noch Pommes Frites. Allessamt durchaus genießbar und lecker. Nach dem Bezahlen gab es dann beim Verabschieden noch ein kleines Schwätzchen mit dem Wirt, der längere Jahre in Osnabrück gelebt und beim DPD gearbeitet und dabei viel von Deutschland kennengelernt hatte. Nach dem Essen sind wir zurück ins Hotel und auf unser Zimmer gegangen, um u.a. Diesen Bericht fertig zu schreiben

An dieser Stelle noch ein schneller Exkurs zum Verhältnis der Bulgaren zu Haustieren:
Schon im Hotel Niky in Sofia haben wir im Freiluftbereich des Restaurants gesehen, wie dort Wellensittiche in einem Käfig direkt im Gästebereich leben mußten, die tagtäglich mehrere Stunden laute Musik und Menschengebrabbel aushalten mußten. Der Käfig war so klein, daß die beiden Vögel nicht richtig fliegen, sondern nur von Sitzstange zu Sitzstange flattern konnten (Höhe vielleicht 1m, Durchmesser maximal 60cm). Dazu gab es im Niky noch ein kleines Bassin (Durchmesser max. 1m und Tiefe max. 25-30cm) als Teil eines künstlichen Bachlaufs durch den Restaurantbereich, in dem 3 Wasserschildkröten leben. Solange der künstliche Bach aber nicht eingeschaltet war, lief kein Wasser ins Bassin und heraus und dementsprechend konnten die Schildkröten auch nicht oder nur äußerst mühsam aus dem Bassin herausklettern, denn der übergang zwischen Bassin und Bachlauf bildete dann eine Stufe.
Auch heute Abend haben wir wieder im Restaurant Vogelkäfige mit Nymphensittichen und Kanarienvögeln gesehen, die direkt im Gästebereich hingen, einer davon sogar nur 1-2m von einem Lautsprecher entfernt, aus dem recht laut – für einen Vogel definitiv zu laute – Musik kam. Aber nicht nur die Musik mußten sie erdulden, sondern auch das Kinder sich mit ihnen vergnügten, in dem sie den Vögel vorpfiffen (sicherlich noch das harmloseste, aber wenn tagtäglich zig verschiedene Kinder das machen, für die Vögel sicherlich auch nicht schön) und die Vögel anmiauten und -fauchten. Das alles scheint hier niemanden zu stören und wir haben ähnliches vorher auch noch ein paar mal woanders gesehen.
Mode scheint es hier übrigens gerade zu sein, sich einen Husky zu halten: Genau die richtige Hunderasse für eine Gegend mit Sommertemperaturen um die 30Grad! Da muß man ja echt froh sein, wenn Huskys nicht in Afrika Moderasse werden!

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7.Tag Bulgarien: Fahrt nach Nessebar und Varna

(Noch kurz vorweg zum gestrigen Tag: So uninteressant waren die Museen gar nicht – fand ich zumindest :-))

Den heutigen Tag verbringen wir wieder überwiegend im Auto. Noch ein Frühstück in der gleichen Bäckerei wie am Vortag, dann geht es los. Das Hotel – das jetzt übrigens Star Hotel heißt – entsprach zwar nicht unseren Erwartungen, aber für j12,50 € pro Person pro Nacht in absolut zentraler Lage zu übernachten hat das wieder wett gemacht.

Der Weg führt zur Abwechslung mal nicht durchs Gebirge, sondern durch die Thrakische Ebene nach Osten in Richtung Schwarzes Meer. Auf der linken Seite begleitet uns auf dem gesamten Weg das Balkangebirge, rechts bleiben die Rhodopen bald zurück.

Den ersten Teil des Weges legen wir auf der Autobahn zurück, die eines Tages einmal durchs ganze Land von Sofia bis Varna gehen wird, aber jetzt endet sie auf der Höhe von Stara Sagora, wie auch schon auf unserer Karte von 2009. Stara Sagora sehen wir nur im Vorbeifahren: Ein häßlicher Ring von grauen Hochhäusern um die ältere Stadt. Eventuell kommen wir auf dem Rückweg noch mal hier her, um zwei guterhaltene Wohnhäuser aus dem 6. vorchristlichen Jahrhundert  zu besichtigen, die hier gefunden wurden. Kommt darauf an, wie viel Zeit wir dann noch haben.

Die Ebene, durch die wir fahren, zeichnet sich durch riesengroße Felder aus, wie sie vermutlich in kommunistischer Zeit angelegt wurden. Zunächst sind es vor allem Weinfelder und Sonnenblumenfelder. Das muß wirklich toll aussehen, wenn all die gelben Blüten aufgegangen sind! Später überwiegt der Getreideanbau, und etwas, das aussieht wie Margaritenfelder, aber das können wir im Vorbeifahren nicht so genau erkennen. Und dazwischen sieht man immer mal wieder einen aufgegebenen, verfallenden Kolchosehof. Schließlich fängt die Autobahn wieder an – da, wo sie auch auf unserer Karte wieder anfängt.

Wir haben uns eigentlich vorgenommen, uns für die nächsten Tage an der Schwarzmeerküste ein Hotel zwischen Nessebar und Varna zu suchen und von dort Unternehmungen zu machen. Da wir jedoch gut durchgekommen sind, beschließen wir, Nessebar an diesem Nachmittag zu besichtigen und dann ein Zimmer bei Varna zu suchen. Das läßt uns zwar etwas wenig Zeit für diese auf einer Halbinsel gelegene Altstadt, die auf der UNESCO-Liste des Weltkulturerbes steht und auf der „sich kulturelle Zeugnisse mehrerer Jahrtausende“ konzentrieren, so unser Reiseführer, aber alles andere, das wir besuchen wollen, liegt um Varna herum. Eine weise Entscheidung, wie sich herausstellt. Denn hinter all den Souvenierständen, Eisverkäufern alle paar Meter und Massen an (zu gefühlt 50% Deutsch sprechenden) Touristen ist von der Stadt kaum etwas zu sehen. Ich möchte nicht wissen, wie das in der Hauptsaison aussieht. Wir laufen einmal durch, erstehen ein luftiges Hemd für mich und einen Hut als Sonnenschutz für Dirk, tun uns noch das Archäologische Museum an und fahren nach gerade mal zwei Stunden weiter. Es würde sich wahrscheinlich lohnen, dort im Winter mal durchzugehen.

Jenseits der Altstadt besteht Nessebar vor allem aus Hotelburgen unterschiedlich kitschiger Ausführung – von relativ neutral über burgartig mit Zwiebeltürmchen (vermutlich für die russische Kundschaft) bis zu einem Piratennest mit Schiff und Totenkopf über dem Eingang. Das setzt sich auf dem Weg nach Varna überall dort fort, wo sich die Straße direkt an der Küste entlangzieht. Und auch hier finden sich immer wieder Bauruinen, bei denen den Bauherren auf halbem Wege die Luft ausgegangen ist.

Zweimal windet sich die Straße aber auch weiter ins Landesinnere, wobei es teilweise recht steil bergauf und auch wieder bergab geht. Daß die großen Warnschilder an der Seite mit „starke Steigung, auf niedrigeren Gang schalten“ tatsächlich auf Deutsch sind, geht uns erst beim zweiten Nachdenken auf. Dirk schlägt als Erklärung vor, daß es die vielleicht billig bei ebay zu ersteigern gab. 🙂

Kurz vor Varna biegen wir Richtung Küste ab und versuchen, ein Hotel zu finden. An der Straße, auf die wir abgebogen sind, treffen wir aber erst mal nur auf Prostituierte, die dort im Abstand von ein- bis zweihundert Metern vermutlich auf Freier warten, die sie mit in eines der Hotels in Varna oder am Goldstrand nehmen. Ein Hotel finden wir nicht und fahren weiter durch Varna hindurch. Auf der anderen Seite der Stadt beginnt bald besagter Goldstrand.

Hier gibt es sowas wie Hotel-Reservate: Hinter einer bewachten Schranke reiht sich Hotel an Hotel, um so teurer, je näher man dem Strand kommt. Einige der Hotels haben noch mal ihre eigene Schranke und eigene Bewacher. Aus diesen „Reservaten“ braucht man während des Urlaubs nicht heraus kommen, wenn man das nicht will.

Wir entscheiden uns nach längerem Suchen für das Hotel „Horizont“, das eben außerhalb einer solchen Schranke liegt. Es hat einen Pool und – es gibt Frühstück! 🙂 Und es kostet uns nicht mal die Hälfte von dem, was das günstigste Hotel innerhalb der Schranke haben wollte.
Ein paar Einschränkungen gibt es natürlich schon. Z. B. hat das Zimmer leider keine Klimaanlage, und das Badezimmer treibt das Konzept der Duschkabine mit Waschbecken und Klo so konsequent auf die Spitze, daß es nicht mal mehr etwas zum Aufhängen der Handtücher oder des Klopapiers gibt (das man in diesem kleinen Raum vor dem Duschen eh rausstellen muß).

Das Gebäude stammt eindeutig aus der Vorwendezeit, weshalb z. B. die Zimmertüren so schief in den Angeln hängen, daß man bei geschlossener Tür fast einen Finger durch den zum Türrahmen verbleibenden Spalt stecken kann, was die allgemeine Hellhörigkeit nicht verbessert. Aber wir haben einen Balkon, der zwischen Bäumen und einem weiter unten liegenden Hotel einen Blick auf das Schwarze Meer gestattet. 🙂 Und vor allem: Die Leute sind mal wieder super nett! Da wir recht spät angekommen sind, ist das Restaurant schon geschlossen. Die Besitzerin entschuldigt sich vielmals dafür und empfiehlt uns ein Restaurant ein paar hundert Meter weiter. Dort wird aber auch gerade geschlossen, immerhin ist es schon zehn Uhr, wofür sich der Besitzer ebenfalls vielmals auf ziemlich gutem Deutsch entschuldigt. Wir versichern ihm, daß das kein Problem ist und daß wir bestimmt einen Abend kommen und sein selbst gebackenes Brot probieren werden. Auf dem Rückweg zum Hotel finden wir uns innerlich damit ab, daß wir wieder mit Vorräten aus dem Rucksack werden Vorlieb nehmen müssen. Das aber lassen die Besitzer nicht zu. Mutter und Tochter setzen uns auf die Terrasse, entschuldigen sich dafür, daß es uns leider nicht schmecken wird, denn der Koch sei nicht mehr da und man könne uns nur noch etwas aufwärmen, dann tischen sie uns eines der leckersten Essen auf, daß wir bisher bekommen haben, bestehend aus Fleisch, gewüztem Reis, Schaskäse und Brot, Tomaten und Peperoni in Öl und den knackigsten und geschmackvollsten Gurken, die wir je gegessen haben. Sie wachsen in einem Ort um die Ecke.
So kommen wir doch noch mit einem gut gefüllten Magen ins Bett, und wir brauchten nicht mal etwas dafür zu bezahlen. Und noch ein entscheidender Vorteil unseres Hotels wird jetzt deutlich: In der Entfernung bei den anderen Hotels hören wir laute Musik, begleitet von lärmenden deutschen Touristen, die „Berlin, Berlin, wir gehen nach Berlin!“ und ähnliche Kleinodien der deutschen Sangeskunst grölen.

Den Wecker stellen wir für den nächsten Morgen etwas später, denn wir wollen den Tag einfach mal entspannen.

6.Tag Bulgarien: Plovdiv

Der Tag fing für mich leider mit deftigen Kopfschmerzen an, weshalb ich erstmal noch liegen geblieben bin und mir 1,5g Acetylsalicylsäure zugeführt habe. Karin ist währenddessen schnell zu dem gegenüberliegenden McDonalds geflitzt, um irgenwas essbares zum Frühstücken und vor allem Kafee zu organisieren. Als sie wieder im Hotelzimmer auftauchte, mußte sie mir leider mitteilen, daß es hier bei McDonalds nichts zum Frühstücken gibt. Auf meine Nachfrage gestand sie dann auch noch, daß sie deshalb nichtmal mehr an Kaffee gedacht hat. Wir machen uns ohne morgendliche Koffeindosis und mit leerem Magen auf den Weg. Ich rechne damit, daß Karin mindestens vorläufig wegen Frühstücksmangel vorsichtig wie eine entsicherte Handgranate behandelt werden sollte.
Beim Verlassen des Hotels frage ich an der Rezeption zur Sicherheit nochmal nach, ob unser Parken in der Querstraße so OK wäre und der gerade anwesende Manager nimmt sich sofort die Zeit und geht mit uns dorthin. Auf dem Weg erklärt er uns, wie man von den offiziellen menschlichen Parkuhren die Tickets bekommt. Im Grunde hatten wir ja schon geahnt, daß die Variante vom gestrigen Abend nicht die normale sein konnte. Der Manager zeigt uns dann noch von Weitem den Parkticketverkäufer. Wir rechnen damit, daß sich an unserem Auto wieder eine Parkkralle befindet, aber es sollte ja nicht teurer als in Sofia werden. Als wir den dann ansprechen, stellt sich raus, daß dieser zwar kein Englisch, aber dafür sehr gut Deutsch spricht. Nach ein wenig Small-Talk (u.a. Frage nach Eintracht Frankfurt) brauchen wir keine Parkgebühren nachzahlen. Die Gebühren für ca. 24h bis zum nächsten Tag um 10h betragen 10Lev.
Wir fragen dann noch nach einer Möglichkeit zum Frühstücken und erfahren, daß es gleich um die Ecke, keine 50-100m entfernt einen Bäcker gibt. Dort finden wir ein sehr vielfätiges Angebot an kleinen bis großen Blätterteigteilchen, können aber leider die Auszeichnungen nicht lesen und wählen deshalb nach gut Glück jeweils 3 kleine und 2 große Teile aus. Für die gesamte Auswahl und zusätzlich 2 excellente Kaffee zahlen wir mörderische 4,56Lev (also umgerechnet ca. 2,40€). Ach ja, der Blätterteig ist von wirklich guter Qualität, auch wenn bis auf eine Sorte der großen Teilchen fast alle kaum Geschmack haben.
Nach dem Frühstück machen wir uns gut gelaunt auf inn die Altstadt, die nur eine Straße weiter schon anfängt und ansteigt. Da der Zugang über eine Treppe, die uns direkt zum Amphittheater führen würde, leider gesperrt ist, müssen wir doch einen anderen Zugang wählen. Die Sonne ist übrigens morgens um 10.30h schon verdammt heiß am brennen und so gehen wir nach Möglichkeit immer auf der schattigen Straßenseite. Der erste Eindruck der Altstadt ist wirklich nett und steigert sich, als wir die ersten penibel sanierten Exemplare der berühmten Plovdiver Architektur ansichtig werden. Wir besichtigen erst das Chindlijan-Haus, bei dem neben den tollen Innendekorationen vor allem das angebaute Badehaus erwähnenswert ist. Es ist aber auch eines der Beispiele für den symetrischen Plovdiver Architekturstil. Dann sind wir weiter zum Argir Kujumdschioglu Haus (teilweise auch als Hadschi Georgi Haus bezeichnet), in dem das ethnographische Museum untergebracht ist. Dieses hatte über Mittag zu und machte erst um 13.30h wieder auf. Um uns bis dahin die Zeit zu vertreiben, haben wir zunächst Postkarten gekauft und haben dabei mit dem Verkäufer ein nettes und interessantes Gespräch geführt. Er wunderte sich darüber, daß wir so viele unterschiedliche Postkarten kaufen und meinte, wir wären aber keine typischen Deutschen, da die immer nur eine Postkarte zigfach kaufen würden. Über seine Nachfrage, ob wir aus Ost- oder Westdeutschland kommen (übrigens eine Frage die uns bislang in Bulgarien schon einige male gestellt wurde) entspann sich dann eine längere Unterhaltung. U.a. Erzählte er uns von seinem Besuch in der DDR als Student und wie gut es ihm da ging, da der Wechselkurs zwischen Lev und Ostmark damals für ihn so günstig war, daß er mit 1,50Mark einen ganzen Abend im Restaurant bestreiten konnte. Er erzählte dann noch ein paar Witze über die DDR. Irgendwie kamen wir dann auch noch auf die Zigeuner in Bulgarien. Er hatte dazu eine sehr dedizierte Meinung: die christlichen Sinti und Roma aus dem Norden seien hart arbeitende und ehrliche Menschen während die muslimischen Zigeuner aus dem Süden nur von Klauen und Stehlen leben würden. Alle seine Ausführungen dazu will ich hier besser nicht wiedergeben. Trotz seiner etwas extremen Ansichten über Zigeuner war er aber durchaus sympathisch und das Gespräch nett. Und schwupps war die Zeit vergangen und das Museum hatte wieder auf. Das interessanteste am Museum war die Architektur (von außen ist das Haus von Argir Kujumdschioglu sicherlich das imposanteste Haus aus dieser Zeit in der Altstadt) und Innenausstattung. Ansonsten bot das Museum u.a. einen Überblick über verschiedene Handwerkskünste und Kleidermoden. Nach dem Museumsbesuch waren wir ziemlich erledigt und durchgeschwitzt und haben uns in ein Gartenlokal begeben, das uns der Postkartenverkäufer empfohlen hatte und das direkt in der Nähe lag. Nach einer halben Stunde im Schatten und je 2 kalten Cola light (freies WLAN gab es da auch) waren wir fit genug, um uns auch noch das Museum der bulgarischen Wiedergeburt und Befreiungskämpfe im Georgiadi-Haus anzutun. Auch hier war wiederum das Haus wesentlich sehenswerter als das Museum, u.a. daß die meisten Räume mit Holzpodesten ringsum ausgestattet waren, um nit Teppichen und Kissen ausgestattet die Sitzmöbel zu bilden. Nachdem wir das Museum verlassen haben sind wir durch die Altstadt zurück ins Hotel gelaufen und haben erstmal geduscht und uns mit Hilfe der Klimaanlage abgekühlt. Dabei haben wir mal durch das Programmangebot im Fernseher gezappt und sind bei einem bulgarischen Musiksender hängen geblieben. Zum Schluß zeigten sie einen Liveauftritt. Die Musik war recht gefällig, der Sänger aber etwas schwach. Als wir uns wieder fit fühlten, sind wir losgezogen, da wir noch einen Geldautomaten einer möglichst seriösen Bank suchten, nochmal Bargeld zu ziehen und dann Essen zu gehen. In der Fußgängerzone war laut Musik eines Konzerts zu hören und wir sind einfach mal in die entsprechende Richtung gegangen. Tja, das Konzert war tatsächlich das, was wir kurz vorher im Fernsehen gesehen haben. Der Sänger hatte sogar das gleiche T-Shirt an! ;)
Gegessen haben wir dann je ein Stück Pizza gleich gegenüber vom Hotel und im Anschluß haben wir noch das bulgarische Eis probiert (keine Offenbahrung, aber genießbar).

P.S.: da wir diese Beiträge auf unseren kleinen Handys tippen, kommen hier jetzt sicherlich überdurchschnittlich viele Rechtschreibfehler vor (vielleicht korrigieren wir die Artikel später nochmal zu Hause). Wer einen Rechtschreibfehler findet, kann ihn gerne behalten! 😉

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5.Tag Bulgarien: Fahrt zum Batschkovski-Kloster, Ankunft in Plovdiv

(Nochmal von Karin, Dirk ist kopschmerzgeplagt.)

Wir kommen zu der Erkenntnis, daß Bulgarische Hotels zwei Gemeisamkeiten zu haben scheinen: Es gibt nicht automatisch Frühstück, und Duschen haben keinen Duschvorhang. (Das Hotel Niky, in dem wir in Sofia übernachtet haben, ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt, zurückzuführen vermutlich darauf, daß man sich in der Hauptstadt an ausländische Touristen angepaßt hat – dort gibt es sogar ein relativ vielseitiges Frühstücksbuffet.) In dem Hotel, in dem wir diesesmal übernachtet haben, fehlt nicht einfach nur der Vorhang vor der Duschnische – das Badezimmer ist die Dusche. Und Frühstück müssen wir extra bestellen, können es dafür aber auf der Terrasse am Pool einnehmen. Die Bulgaren zwei Tische weiter nehmen nur den landesüblichen herrlich kräftigen Kaffee zu sich.

Danach machen wir aber noch einen Abstecher zum Pennymarkt, um unsere Müsliriegel- und Brotvorräte wieder aufzustocken, die wir am Vorabend geplündert haben, statt essen zu gehen. In der Straße, an der der Supermarkt liegt, ist an der Seite ein Esel mit Karren geparkt. An der Tür des Pennymarktes weist ein Schild darauf hin, daß drinnen neben Hunden u. ä. auch Schußwaffen verboten sind.

Dann geht es endlich los in Richtung unseres nächsten Klosters und der Stadt Plovdiv. Klöster gehörten früher zu den wichtigsten kulturellen Zentren Bulgariens und spielten eine herausragende Rolle in der Zeit der sog. Bulgarischen Wiedergeburt. Vom kommunistischen Regime sind sie offenbar in Ruhe gelassen worden. Entsprechend weit oben stehen sie heute auf der Liste der zu besichtigenden Plätze. Zunächst aber sind wir ziemlich lange "on the road". Unser Weg führt uns durch das Phodopen-Gebirge. Anders als im mediterran angehauchten Pirin-Gebirge hat man hier das Gefühl, durch die Alpen zu fahren. Als wir in die ersten Ausläufer kommen, fallen uns Stapel von Steinplatten auf, die überall am Straßenrand stehen. Meist sind sie sehr ordentlich zu Würfeln auf Paletten gestapelt, einige zudem mit Plastik umhüllt. Das Bild begleitet uns noch eine ganze Weile durch die Rhodopen. Offensichtlich leben die Menschen hier davon, daß sie die dünnen Schichten der Felsen zu Platten aufbrechen. Weiter innerhalb des Gebirges sehen wir verstreut einzelne kleine Äcker, zu denen die Besitzer, Pächter oder was auch immer sie sind mit ihrem Auto oder auch mal einem Pferde- oder Eselkarren aus der relativ weit entfernten Stadt oder Ortschaft gefahren kommen, um ihren Acker zu bestellen und zu pflegen.

Je näher wir Shiroka Laka kommen, desto mehr werden die kleinen Äcker vom Bohnenanbau dominiert. Shiroka Laka ist eine in weiten Teilen unter Denkmalschutz stehende kleine Stadt, deren Häuser sich eng an die Hänge eines engen Tals schmiegen. Wir genießen den Anblick jedoch nur beim langsamen Hindurchfahren, denn bis Plovdiv und dem Kloster ist es noch eine erhebliche Strecke. Alles geht leider nicht – wir haben unsere Liste der zu besichtigenden Orte, die wir schon in Marburg in einem Anfall von Realismus erheblich eingedampft hatten, unter dem Eindruck der Reisegeschwindigkeit auf hiesigen Straßen noch mal um einiges zusammengestrichen. Kurz hinter Shiroka Laka nehmen wir einen freundlichen älteren Mann mit. Mein Versuch, ihm mit Hilfe des Wörterbuchs zu erzählen, daß die Landschaft schön ist, schlägt völlig fehl – er hat keine Ahnung, was ich meine – aber freut sich trotzdem, ein Stück mit uns zu fahren.

In Pamporovo, einem der zwei bekanntesten Wintersportorte Bulgariens, machen wir mittags Halt, um etwas zu Essen. Überwiegend besteht der Ort aus fertiggestellten Hotels, solchen, die im Entstehen begriffen sind, und Bauruinen, die mittendrin aufgegeben wurden (ein Phänomen, auf das wir überall gestoßen sind – seien es Hotels, Arpartmenthäuser oder Bürogebäude). Eine Abwechslung in der Architektur ist eine Ansammlung kleiner dreieckiger Einzelhäuschen mit bis auf den Boden reichendem Blechdach. (Für Mama und Vati und Tim: Wie lauter Gartower Häuser im Kleinformat, nur mit Blech- statt Reeddach.)

Danach geht es aus einer Höhe von 1650 m wieder nach unten. In den Ortschaften und auch ein ganzes Stück außerhalb kommen wir immer wieder an Ständen vorbei, an denen eine große Auswahl an Honig verkauft wird. Solche Stände waren uns zwar auch schon vorher aufgefallen, aber hier kommen sie noch viel häufiger vor. Wir fragen uns, wieviel Geld die einsame Person, die jeweils an dem Stand sitzt, mit dem Verkauf wohl machen kann, wenn nur hin und wieder ein Auto vorbeikommt, von denen nur ein Bruchteil hält um Honig zu kaufen (und dann natürlich an den folgenden 20 Ständen vorbeifährt, ohne einen Lev zu hinterlassen).

Unser Weg führt uns jetzt für die nächsten 35 bis 40 km durch ein endlos sich windendes enges Tal zwischen steilen Felsen – beeindruckend zunächst, aber mit der Zeit wird es doch etwas eintönig. Hin und wieder kommen wir durch einen Ort mit den Häusern im üblichen Zustand der Vernachlässigung, gelegentlich mit verfallenden Industrieanlagen aus Kombinatszeiten. Wer hier lebt, so scheint uns, ist bestraft.

Schließlich kommen wir aber doch beim Batschkovski-Kloster an. Nur 28 km von Plovdiv entfernt, ist es ein touristischer Anlaufpunkt. Entsprechend ist der Weg, den wir vom Parkplatz hinauf gehen, von Souvenierständen gesäumt. Der Komplex selber unterscheidet sich nicht so wesentlich vom Rilski-Kloster, ist nur weniger gut in Schuß. Die Wandmalereien in der mittig gelegenen Kirche sind vom Ruß der zahllosen Kerzen, die dort von den meisten Besuchern entzündet werden, so geschwärzt, daß man schon ganz genau hinsehen muß, um zu erkennen, daß sie überhaupt existieren.

Während wir das ansehen, was noch zu erkennen ist, tritt eine alter Pope auf uns zu und drückt mir freundlich lächelnd ein Blatt von irgend einer Pflanze in die Hand. Er spricht zwar nicht wirklich Englisch oder Deutsch, aber wir verstehen trotzdem, daß er nach unserer Nationalität fragt. Als er erfährt, daß wir aus Deutschland sind, sagt er irgend etwas von "deutschem Salat", strahlt uns noch mal freundlich an und geht zurück zu seinem Stuhl. Kurz darauf winkt er mir zu, ich solle zu ihm kommen, und drückt mir eine schrecklich kitschige kleine Plastik-Ikone im Visitenkartenformat von der Jungfrau Maria in die Hand.
Nach einiger Zeit sehe ich ihn von einem Blumenstrauß eine Rose abpflücken. Ich mache Dirk darauf aufmerksam, daß der nette alte Herr gerade wieder einen Besucher mit einem Pflänzchen begrüßen will – aber die Rose ist auch noch für mich! Ich bedanke mich noch einmal herzlich mit dem landesüblichen "Merci", dann holen wir zwei Kerzen, um als Gegengeste zum endgültigen Verschwinden der Fresken beizutragen. (Im Roschinski-Kloster z. B. darf man Kerzen nur noch unter einem extra dafür eingerichteten Abzug entzünden – und kann dafür die Heiligen an der Wand noch sehen.) Mit dem Blatt und der Rose schmücke ich später das Tor zu einer weiteren Kirche des Klosters; die kleine Ikone behalte ich als Erinnerung.

Neben der zugeräucherten Kirche gibt es noch ein Museum zu besichtigen und das ehemalige Refaktorium nebst Küche. Außer uns geht da aber niemand hin, wahrscheinlich, weil dieser Teil Eintritt kostet. Dabei lohnt sich der Speisesaal, denn er ist ebenfalls bis unter die Decke mit biblischen Szenen ausgemalt, die die Gedanken der Mönche während des Essens beim Wesentlichen halten sollten (und die man, da hier nicht die ganze Zeit Kerzen brannten und der Raum sicher auch besser belüftet war, tatsächlich auch erkennen kann…)

Nun geht es auf die letzte, kurze Etappe des heutigen Tages: nach Plovdiv. Vom langen Autofahren sind wir ganz schön müde. Da wir mit dem Tip unseres Reiseführers hinsichtlich des Hotels in Sofia gut gefahren sind, greifen wir auch jetzt auf einen seiner Vorschläge zurück. Unser Auto parken wir in einer Straße ganz in der Nähe. Die Rezeptionistin erklärt uns auf unser Fragen, daß man für das Parken bei einem dort herumlaufenden Mann bezahlt. Ah ja, das kennen wir von Sofia! Daß der Typ, dem wir das Geld geben, keine offiziell wirkende Weste trägt und uns auch kein Ticket gibt, daß hinter Windschutzscheibe gelegt wird, kommt uns schon etwas spanisch vor, aber wir sind müde und der freundliche junge Mann wirkt irgendwie überzeugend.

Anschließend bringt er uns gegen ein Trinkgeld noch die Koffer in die Hotelrezeption. Dort machen wir unseren zweiten Fehler: Wir geben einem ziemlich offensiv bettelnden Mann zwei Leva. Seitem haben wir ihn an der Backe, sobald wir in der näheren Umgebung des Hotels sind. Im Übrigen stellen wir fest, daß das wohl nicht mehr das vom Reiseführer als komfortabel empfohlene Hotel ist. Das zugehörige Restaurant mit bulgarischen Spezialitäten gibt es nicht mehr, Frühstück gibt es nicht mal, wenn man es extra bestellt – man muß sich das irgendwo anders suchen – und die Minibar ist leer und riecht muffig.
Ach übrigens: Das Badezimmer ist eine Duschkabine mit Waschbecken und Klo. Wir hatten recht mit unsere Vermutung von heute morgen. 🙂

4.Tag Bulgarien: Roschinski-Kloster, Melnik

(Von Karin)

Ich werde mich jetzt auch mal an der Erstellung dieses Reisetagebuches beteiligen. Es gibt so viel zu erzählen, da werden wir uns abwechseln.

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Unser Tag beginnt heute mit nichts als einem Kaffee zum Frühstück (mehr gibt es in unserem Hotel leider nicht, dafür ist der Kaffe aber so gut wie offenbar überall hier in Bulgarien). Danach fahren wir erst mal Richtung Melnik los, um vor einem ausführlicheren Frühstück ein paar Kilometer zu machen. Der Weg führt durch eine ausgesprochen malerische Schlucht, an deren Ende wir in eine Landschaft kommen, die mit ihren Zypressen an die Mittelmeergegend erinnert – was nicht verwunderlich ist, denn die griechische Grenze ist von hier nicht mehr weit entfernt. Auch die Temperaturen sind ziemlich mediterran. Zum Glück findet sich hier auch ein Möglichkeit, zu frühstücken, denn so langsam wird mein Hunger ziemlich spürbar und meine Laune sackt in den Keller 🙂

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Auf der weiteren Fahrt nach Melnik warten ein paar spektakuläre Aussichten auf uns. Was aber ebenfalls auffällt, ist der heruntergekommene Zustand aller Ortschaften, durch die wir kommen. Häuser, bei denen man bei uns davon ausgehen würde, daß dort schon eine geraume Weile niemand mehr lebt, sind hier noch selbstverständlich bewohnt. Das hier und da mal ein Haus – oder auch nur eine Wohnung in einem mehrstöckigen Haus – von außen saniert worden ist, macht den traurigen Zustand der übrigen Gebäude um so deutlicher.

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Es ist auch kaum etwas zu erkennen, von dem die Menschen hier groß leben könnten: Ab und zu ist ein einsames Feld mit Wein zu sehen, immer wieder außerdem sehr große Gewächshäuser, aber ansonsten ist bis auf ein paar Ziegenherden an Landwirtschaft nichts zu finden. Industrie gibt es offenbar überhaupt keine.

 

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Bevor wir das in fantastisch aufragende Sandsteinfelsen eingebettete Melnik, Bulgariens kleinste Stadt, besichtigen, fahren wir in das nahegelegene Roschinski-Kloster. Im Vergleich zum Rilskikloster gestern ist es eher einfach, aber ausgesprochen idyllisch mit einem Hof, der von einem 300 Jahre alten Wein überrankt ist. Die Kirche in der Mitte ist aber genauso vollständig mit Wandmalereien ausgemalt und mit Gold und Ikonen geschmückt wie alle orthodoxen Gotteshäuser, die wir bisher gesehen haben.

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Als wir hineingehen, ist gerade eine Taufe in Gange. Ein junger Priester mit dem typischen langen Vollbart, zu Dutt gefaßten langen Haaren und langer schwarzer Kutte liest ungerührt in schnellem Tempo eine endlose Litanei, während von allen Seiten die Familie – inklusive eines muskelbpackten Onkel mit Muscel-Shirt – gerührt die Zeremonie filmt und photographiert und das ununterbrochen schreiende Kind den von Oma gereichten Schnuller empört wieder ausspuckt. Das Kleine muß aber offenbar auch einiges mitmachen. Neben dem Wasser, das es natürlich auf den Kopf bekommen hat, schneidet der Priester ihm ein paar Haarsträhnen ab, die er ins Taufbecken wirft. Was vor unserem Dazukommen noch gelaufen ist, weiß ich nicht, aber auf dem Tablett, auf dem auch die Schere fürs Haareschneiden liegt, entdecken wir nach Beendigung der Zeremonie noch diverse andere Utensilien wie Seife und Flaschen mit welchem Inhalt auch immer.

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Als wir anschließend Melnik besichtigen wollen, setzen das Gewitter und der Regen ein, die sich bereits eine Weile angekündigt haben. Also warten wir den schlimmsten Niederschlag im Auto ab und essen dann erst mal in einem der Lokale etwas zu Mittag. Mit dem bulgarische Essen haben wir bisher eher weniger gute Erfahrungen gemacht: Sehr typisch scheinen sowas wie Eintöpfe zu sein, die aus Reis, Gemüse und mehreren Sorten Fleisch bestehen und in kleinen Keramik-Töpfchen mit Deckel serviert werden. Was uns dabei gar nicht gefallen hat: In jedem dieser Gerichte waren mit dem Fleisch auch der Knorpel und z. T. sogar Knochenstückchen reingeschnitten worden, was ich persöhnlich eher widerlich finde.
Im Lokal in Melnik allerdings gibt es – passend zur eher schon griechischen Musik – auch mazedoniche Spezialitäten. Wir probieren "Makedonska Gosba", und es ist ausgesprochen lecker. Dazu bestelle ich einen der Weine, für die Melnik bekannt ist – ist okay – und zum Nachtisch "Baklava", eine von Zucker und Fett triefende Teigrolle, wie man sie auch vom Türken kennt – ist gar nicht mal unlecker, aber eine heftige Kalorienbombe. 🙂

Danach, der Regen hat mittlerweile fast aufgehört, erkunden wir die kleine Stadt. In Melnik leben heute nur noch wenige hundert Menschen, aber Ende des 19. Jahrhunderts waren es mal 20.000. In jener Zeit staffelten sich die Häuser so dicht übereinander an den Berghängen, daß zwischen ihnen kaum zwei Lastesel aneinander vorbei paßten. Das läßt sich auch heute noch gut erkennen, wenn auch lange nicht mehr alle Häuser stehen.

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Wie überall laufen auch in Melnik Straßenhunde und solche, die einen Besitzer haben, im Ort herum. Einer von letzteren, ein weißer spitzartiger Hund, schließt sich uns an und bemüht sich, uns zu einem Spaziergang zu überreden, indem er uns in Richtung Wanderweg zum Kloster voranläuft, sobald wir andeutungsweise diese Richtung einschlagen. Immer wieder dreht er sich um, um zu schauen, ob wir ihm folgen, was wir auch eine Weile tun. Aber für einen längeren Spaziergang ist keine Zei mehr und wie kehren um. Daher geht auch Kilroy – so haben wir ihn für uns getauft – zurück in den Ort auf der Suche nach jemand anderem, der mitkommt.

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Für uns ist es höchste Zeit, weiterzufahren, um noch ein bißchen Strecke zu machen, ehe wir uns ein Hotel suchen. Wir staunen ein wenig über den Vorschlag unseres Navis – es geht wieder Richtung Roschinski-Kloster, und wir haben vorhin den Eindruck gehabt, daß die Straße dort endet, aber da wir vorhin das letzte Stück zum Kloster zu Fuß zurückgelegt haben, haben wir so genau ja nicht darauf geachtet. Oben angekommen jedoch sollen wir in etwas einbiegen, was möglicherweise zur Zeit des osmanischen Reiches mal eine Straße war und uns spontan zum Umkehren animiert. Immerhin sind wir aber auf diese Weise noch in den Genuß eines fantastischen Sandsteinfelsen-Panoramas gekommen, das uns sonst entgangen wäre.

 

Die laut Karte nächste Möglichkeit besteht aus einer Ansammlung von Schlaglöchern mit hier und da ein wenig Straße dazwichen. Auch hier verzichten wir lieber und entscheiden uns, die km-mäßig längere Strecke zu wählen, die jedoch auf der Karte als breitere Straße eingezeichnet ist.

Was wir vorfinden, ist zunächst eine Straße mit immerhin mehr Straße als Schlaglöchern. Hier kommen uns auch andere Fahrzeuge entgegen – sogar dicke Luxuskarossen einschlägiger deutscher Fabrikate, wie sie uns hier überall immer wieder sogar in heruntergekommenen Gegenden begegnen. Das läßt hoffen. Und tatsächlich wird die Fahrbahn fürs erste nicht schlimmer, und wir werden lediglich von einer ganz alleine nach Hause laufenden Ziegenherde, die von drei Schafen angeführt wird, aufgehalten und von großartigen Panoramen, die uns hin und wieder anhalten lassen. Dann aber geht es wieder mitten rein ins Piringebirge, und diesesmal geht es nicht auf gut ausgebauter Straße durch eine Schlucht, sondern auf einer von Schlaglöchern gezierten Asphaltpiste über einen geschätzte 1.500 m hohen Paß. Ein großteil der Strecke ist für Ausbesserungsarbeiten aufgerissen und nötigt uns, langsam und in Schlangenlinien zu fahren. Daß es direkt neben der Fahrbahn meist steil bergab geht, Leitplanken hier jedoch überwiegen für überflüssig erachtet werden, macht die Fahrt noch etwas abenteuerlicher. Ganz oben auf dem Paß sehen wir am Straßenrand zwei Welpen, die uns neugierig entgegenlaufen, als wir aussteigen. Wir ringen eine Weile mit uns, wie wir mit der Situation umgehen sollen, beschließen dann aber, die Kleinen zu lassen, wo sie sind. Sie sehen wohlgenährt aus und scheinen in einer Art Höhle unter Steinen zu leben. Tatsächlich begegnen uns nur ein-, zweihundert Meter weiter zwei erwachsene Straßenhunde, und noch ein Stück weiter kommen wir durch eine Ansiedlung.

Im weiteren Verlauf ist die Straße bereits ausgebessert. Trotzdem brauchen wir für die 68 km bis Gotse Deltschev insgesamt gut 2,5 Stunden. Die Fahrt durch die Stadt macht uns noch einmal auf erschütternde Weise deutlich, wie verbreitet die Armut hier ist, und wie perspektivlos es sein muß, hier aufzuwachsen. Es ist nicht erstaunlich, daß manche Menschen ihr Kind lieber in ein Kinderheim geben.

Da es jetzt schon so spät ist, beschließen wir, nicht mehr weiterzufahren, sondern uns hier eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Zuvor decken wir uns mit Wasser und Müsliriegeln für die morgige Fahrt ein (wir haben dafür die Wahl zwischen einem Lidl und einem Penny Markt). Das Hotel, das wir finden, liegt etwas außerhalb der Stadt und scheint abendlicher Treffpunkt der gehobenen Gesellschaft von Gotse Deltschev zu sein. Es gibt einen Pool und einen kleinen Bolzplatz, und auf der Terasse spielt bis Mitternacht laute Musik. Aber die Betten sind hier mal etwas breiter als 80 cm, und der Preis (40 Leva – also 20 EUR – ohne Frühstück für zwei Personen) ist absolut bezahlbar. Frühstück gibt es hier, wir schon im letzten Hotel, nicht automatisch.